Auf gerade einmal vier offizielle CD-Aufnahmen bringt es Carl Maria von Webers „Oberon“, die letzte datiert von 2002. Im Fall der nur ein wenig populäreren „Euryanthe“ gibt es lediglich die alte DDR-Koproduktion mit Marek Janowski. Insofern sind gleich zwei Audio-Ergänzungen, natürlich wie heute üblich als Mitschnitte von konzertanten bzw. Bühnenaufführungen, zur mageren Weber-Operndiskografie jenseits des „Freischütz“ durchaus willkommen. Zumal man sich allein hörend besser auf die Musik konzentrieren kann, sich nicht mit der Bewältigung der unausgegorenen Libretti herumschlagen muss, die eine weitere Verbreitung im Repertoire verhinderten. Aus Gießen stammt die jüngste Variation vom bunt die Singstile mischenden Reigen seliger Feengeister nach Wieland, die auch des Komponisten Schwanengesang werden sollte. Michael Hofstetter hat eine neue, dramaturgisch gelungene Textfassung erstellen lassen, auch das Orchester spielt mit vorklassisch kontrastiver Dynamik, dabei hell und durchsichtig. Nur leider sind die lyrischen Sänger – besonders der hybrid heldischen Rollen Hüon und Rezia – ihren Partien nicht gewachsen. Das hat sich allerdings zu gutem Teil auch der hier unpraktisch agierende Weber zuzuschreiben. Zudem klingt hier alles sehr topfig.
Besser liegt dem Vokalpersonal die neue „Euryanthe“ in der Kehle, die bei einer Christof-Loy-Inszenierung im Theater an der Wien festgehalten wurde. Jacquelyn Wagners Sopran durchleuchtet die Titelpartie, die böse Eglatine ist mit Theresa Kronthaler jugendlich geradlinig, ohne Schurkinnen-Furor besetzt. Der Adolar von Norman Reinhardt wackelt bisweilen, doch findet er geschmeidige Linien. Andrew Foster-Williams (Lysiart) hat einen schönen Baritonkern, ein wenig klein klingt der Königsbass Stefan Cerny. Tadellos der Arnold Schoenberg Chor unter Erwin Ortner. Constantin Trinks mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien beweist, dass er nicht nur seinen Wagner kann, sondern auch die frühromantischen Vorläufer.

Matthias Siehler, 05.10.2019




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