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Anton Webern, Alexander von Zemlinsky, Arnold Schönberg

The Mathilde Album

Quatuor Arod, Elsa Dreisig

Erato/Warner 9029542552
(80 Min., 4/2019)

Mathilde Schönberg, geborene Zemlinsky, gibt diesem Album den Namen: Sie war Arnold Schönbergs erste Frau und gerät hier programmatisch in die Rolle einer Muse – das war sie sicher nicht in dem Sinne, wie man sich das für diese Epoche vorstellt: Ihr eher behäbiges Aussehen ist fotografisch und auch im Gemälde dokumentiert, sie führte sicher nicht das Leben einer „femme fatale“ vom Schlage Alma Schindler-Mahler-Gropius-Werfels … Und dennoch: Ein Ausrutscher in ihrem Privatleben hat durchaus für Erschütterungen gesorgt. Ihre Affäre mit dem zum Schönberg-Kreis gehörenden Maler Richard Gerstl flog in der Sommerfrische des Jahres 1908 auf, Gerstl erhängte sich später unter grausigen Umständen in seinem Atelier. Im selben Sommer komponierte Schönberg an seinem zweiten Streichquartett, innerhalb dessen er – vereinfacht gesprochen – die Grenze zur Atonalität überschreitet. Man griffe definitiv zu kurz, wollte man diesen Schritt allzu eng auf Schönbergs private Probleme beziehen. Und dennoch ist die Wahl des Liedes „O, du lieber Augustin, alles ist hin …“ als musikalisches Signal für die Grenzüberschreitung sicherlich eine mehrschichtig deutbare Maßnahme.
Wie auch immer: Das Quatuor Arod interpretiert dieses eindrucksvolle Streichquartett, das im Zentrum des Programms steht, auf wirklich mitreißende Weise. Anteil daran hat im Besonderen die Sopranistin Elsa Dreisig, die den Vokalpart der letzten beiden Sätze des Quartetts – auch dies eine Grenzüberschreitung in Schönbergs Werkkonzeption – unter vollem Einsatz ihrer opulenten stimmlichen Mittel deutlich textnäher und fesselnder als viele ihrer Vorgängerinnen in dieser Partie verwirklicht. Ein absolut hörenswertes Album also schon wegen dieses zentralen Werks. Anton Weberns „Langsamer Satz“ und Alexander von Zemlinskys Streichquartett Nr. 2 op. 15, beides eher selten zu hörende Werke und hier inhaltlich auch mit Mathilde in Verbindung gebracht, sind weitere Gründe, dieser mit 80 Minuten Musik sehr gut gefüllten CD seine Aufmerksamkeit zu widmen.

Michael Wersin, 05.10.2019



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