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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Ludwig van Beethoven

Die Klavierkonzerte

Jan Lisiecki, Academy of St Martin in the Fields

DG/Universal 4837637
(174 Min., 12/2018) 3 CDs

Geplant war diese Aufnahme der fünf Klavierkonzerte Beethovens so nicht. Eigentlich wollte Murray Perahia Ende 2018 mit der Academy of St Martin in the Fields im Berliner Konzerthaus das Fünferpack spielen und parallel aufzeichnen lassen. Doch wieder kam ihm seine leidige Handverletzung in die Quere. Prompt durfte sein kanadischer Kollege Jan Lisiecki einspringen und in die Doppelrolle aus Solist und Dirigent schlüpfen. Ganz neu war ihm diese Aufgabe zwar nicht. Aber wie er mit gerade einmal 23 Jahren sie nicht nur gelöst, sondern regelrecht gemeistert hat, ist schon beachtlich. Überhaupt ist man von der Selbstverständlichkeit und Souveränität erstaunt, mit der Lisiecki sich durch diese unterschiedlichen Welten bewegt und dabei gleichermaßen völlig unprätentiös und unangestrengt Stimmen und Farben weniger neu- als vielmehr wiederentdeckt. Dass Lisiecki vor allem ein offenes Ohr für die kammermusikalischen Seitenwege besitzt, zeigt er gleich im 1. Klavierkonzert. In der Durchführung des „Allegro con brio“ kommt es zu wunderbaren Dialogen zwischen Klavier und Holzbläsern, die ihre Fortsetzung in einer noch fast Mozartisch anmutenden Bläserdivertimento-Passage im langsamen Satz finden. Und auch hier zeigt die Academy of St Martin in the Fields, was für einen enormen Qualitätssprung sie unter ihrem 1. Gastdirigenten Murray Perahia gemacht hat.
So ungemein organisch Lisiecki solche Perspektiv- und Stimmungswechsel ins große Ganze einarbeitet, so kommen aber gerade in den ersten zwei Klavierkonzerten auch das Energische und der virtuose Schwung wie aus einem Guss daher. Das Hochexpressive des 3. Klavierkonzerts lädt Lisiecki dann nicht etwa noch einmal tiefschürfend à la Alfred Brendel auf, sondern entwickelt alle Spannungsbögen und flackernden Zwischentöne aus dem Notentext heraus. Gleich im Eröffnungssatz des c-Moll-Konzerts melden sich auch zum ersten Mal jene harschen, durchaus dem Originalklang-Gedanken verpflichteten Pauken zu Wort, die im 5. Klavierkonzert einen weiteren markanten Auftritt haben. Fast möchte man vermuten, dass Jan Lisiecki damit noch einmal die musikgeschichtliche Sprengkraft der Klavierkonzerte betonen wollte. Solche Ausrufezeichen sind aber an sich vollkommen überflüssig: Das Singuläre und Fortschrittliche der Klavierkonzerte von Beethoven macht Lisiecki allein schon mit seinem Spiel, mit dieser Balance aus rhythmischer Direktheit, strammem Zugriff, entwaffnender Spontaneität und bewundernswerter Ausdruckstiefe mehr als begeisternd deutlich. Eine großartige Gesamteinspielung, die von ihrem Interpretationsgeist her fast wie eine Fortsetzung von Friedrich Guldas Aufnahmen der späten Mozart-Klavierkonzerte wirkt.

Guido Fischer, 12.10.2019



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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