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Jean de Sainte-Colombe

„Le monde de Sainte-Colombe“ (Werke für 2 Gamben)

Les Voix humaines

Atma/in-akustik 05712652
(76 Min., 2003 & 2004)

Bis 1991 war er nur Insidern der Alten Musik-Szene ein Begriff. Doch spätestens mit dem Kinostreifen „Die siebte Saite“, für den Jordi Savall den Soundtrack eingespielt hatte, war Monsieur Sainte-Colombe posthum zu einer prominenten Persönlichkeit aufgestiegen. Der Historienschinken entführte mitten in die goldene Gamben-Epoche Frankreichs. Dementsprechend standen Sainte-Colombe sowie sein heute viel berühmterer Schüler Marin Marais im Mittelpunkt. Im Gegensatz zu Marais umweht die Person Sainte-Colombes jedoch immer noch etwas Rätselhaftes. Was hingegen seinen kompositorischen Nachlass angeht, da ist man bestens versorgt. Sage und schreibe 67 sogenannte „Concerts à deux violes esgales“ wurden Ende der 1960er Jahre in der Privatbibliothek des großen Pianisten Alfred Cortot entdeckt. Seitdem haben sie in Ausschnitten ihren Weg – 1978 auch dank Jordi Savall – auf Tonträger gemacht.
Zwischen 2003 und 2007 sollten schließlich die beiden Gambistinnen des Alte Musik-Ensembles Les Voix humaines Pionierarbeit leisten und das komplette Konvolut von Sainte-Colombe weltersteinspielen. Aus dieser mit zahlreichen Preisen gewürdigten Gesamtaufnahme wurde jetzt noch einmal eine Art Best-of zusammengestellt. Was eine sehr gute Entscheidung gewesen ist. Nicht nur ist man einmal mehr geradezu berauscht von dem hochkonzentrierten bis beschwingten Spiel der beiden Solistinnen. Diese Selektion ist zugleich ein Plädoyer, sich noch ausführlicher und intensiver auf Sainte-Colombes Gambenwelten einzulassen. Der Gewinn dürfte immens sein.

Guido Fischer, 19.10.2019



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