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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 7 „Leningrad“

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

BR-Klassik/Naxos 900184
(73 Min., 2/2016)

Zwischen 1988 und 2005 beschäftigte sich Mariss Jansons mit sämtlichen Schostakowitsch-Sinfonien und wurde dafür vielfach ausgezeichnet. Mit dabei war – neben den Berliner und den Wiener Philharmonikern – auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Jansons seit 2003 hauptamtlich leitet. Während er damals mit dem Münchner Orchester u.a. Schostakowitschs Sinfonien Nr. 3 & 14 aufnahm, hatte er für den Eröffnungstusch mit der 7. Sinfonie die Leningrader Philharmoniker ausgewählt. Im Februar 2016 setzte sich Jansons dann noch einmal am Pult des Symphonieorchesters des BR im Konzert mit Schostakowitschs 1942 in Leningrad uraufgeführter Siebter auseinander. Rund fünf Minuten mehr nimmt der Live-Mitschnitt im Vergleich zur damaligen Produktion ein. Und spätestens im zweiten Satz (Moderato) zahlt sich dies auch in der noch pointierter herausgearbeiteten Dramatik aus, mit der hier die Musiker ständig am Abgrund zu balancieren scheinen. Da schlägt einem von flehenden Streichergesten über bedrohliche Rhythmus-Kaskaden bis hin zu schauerlich motorischem Pochen nicht allein die Schilderung menschlichen Leides auf höchstem Niveau (auch klangtechnisch eingefangen) entgegen. Es entwickelt sich eine geradezu schonungslos schauerliche Menschheitstragödie, die Jansons ausgerechnet da auf die Spitze treibt, wo die Musik fast zu verstummen, zu verglimmen droht. Was für ein Klang-Tableau des Schreckens folgt dann darauf – mit dem „Adagio“, dessen einleitender Bläserchoral jeglichen hoffnungsspendenden Ton eingebüßt hat. Und das ständig zwischen grell lärmend und schwerem Pathos hin- und herwankende Finale geht das Orchester irrwitzig bravourös, aber im Vergleich auch zu manch jüngeren Aufnahmen bis zum Äußersten drastisch an, was das Furchterregende dieser Musik ausmacht. Man kann nur wünschen, dass sich aus dieser Siebten Jansons zweiter Schostakowitsch-Zyklus entwickelt.

Guido Fischer, 19.10.2019



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