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Pietro Locatelli, Johann Georg Pisendel, Jean-Marie Leclair, Giuseppe Tartini, Georg Philipp Telemann

„Virtuosissimo“ (Violinkonzerte)

Dmitry Sinkovsky, Il Pomo d´Oro

Naïve/Indigo 05181252
(77 Min., 9/2016)

Klar, der schiere Geigenwahnsinn setzte erst im 19. Jahrhundert mit Paganini ein. Doch bereits in der Blütezeit des Barock konnte das Publikum in pure Raserei verfallen, wenn etwa ein Pietro Locatelli auf dem Griffbrett und mit seinem Bogen Dinge vollbrachte, die nicht von dieser Welt schienen. Bei aller Vorliebe für hundsgemeine Doppeltriller und tollkühn anmutende Arpeggien war aber auch dieser italienische Virtuose wie all die anderen Geigenkünstler nicht allein auf den Bravourakt abonniert. Die spieltechnischen Gimmicks waren da noch Teil eines Ausdrucksspektrums, bei dem die sanfte, nur das Herz anrührende Kantilene genauso wenig fehlen durfte. Daher ist der Titel „Virtuosissimo“, den der russische Alte Musik-Kenner und zupackende Barockgeiger Dmitry Sinkovsky seinem aktuellen Programm mit fünf Violinconcerti gegeben hat, nur die halbe Wahrheit. Schließlich wusste jeder der fünf Komponisten, wie man Effekt und Empfindung in Balance bringen kann. Die Werke von Pietro Locatelli, seinem französischen Widersacher Jean-Marie Leclair, von Vivaldi-Schüler Johann Georg Pisendel, dem auch Georg Philipp Telemann Violinkonzerte widmete, sowie von Giuseppe Tartini legt Sinkovsky nun mit viel Geschmack und dem nötigen Sinn für die Attacke grandios hin – flankiert von Il Pomo d´Oro, die ihrem Ruf als einer der leistungsstärksten und energiereichsten Alte Musik-Truppen alle Ehre machen. „Virtuosissimo“? Bravissimo!

Guido Fischer, 26.10.2019



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