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Christian August Jacobi, Johann David Heinichen, Johan Kuhnau, Ernst Nicolaus Thaur, Johann Sebastian Bach

„Einsamkeit, o stilles Wesen“ (Deutsche Barock-Kantaten)

Sybilla Rubens, David Erler, Hans-Jörg Mammel, Thomas Gropper, L’Arpa festante, Christoph Hesse

Christophorus/Note 1 CHR 77437
(77 Min., 2/2017)

Johann Kuhnau (Bachs Amtsvorgänger in Leipzig), Johann David Heinichen oder die biografisch kaum fassbaren Christian August Jacobi und Ernst Nicolaus Thaur: Sie alle haben Gottesdienstmusiken zu deutschsprachigen Texten geschrieben, die wir heutzutage als „Kantaten“ bezeichnen und überwiegend außerliturgisch genießen. Einstmals waren sie integraler Bestandteil eines dichten Netzwerks biblischer Zitate und exegetischer Bezüge, das Jahr ein, Jahr aus jeden Sonn- und Feiertag individuell prägte. So manches nach seiner unmittelbaren Entstehungszeit nie mehr Gehörte aus diesem gewaltigen Repertoire wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten wieder ans Tageslicht gebracht, und auch auf der vorliegenden CD werden entsprechende Kompositionen der Rekonstruktion einer Kantate von Bach (BWV 80a, quasi „Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV 80 ohne den Eingangschor) gegenübergestellt. In puncto Eleganz der Linienführung und des kontrapunktischen Satzes sowie Dichte und Aussagekraft des sprachlich-musikalischen Geflechts reichen die Werke der anderen selten an Bach heran, aber das ist freilich kein Grund, sie nicht zur Kenntnis zu nehmen.
Christoph Hesse hat sich für eine einfache Besetzung in allen Vokal- und Instrumentalpartien entschieden, was mit Blick auf das Repertoire sehr sinnvoll erscheint. Unter den Sängern sticht besonders der Altist David Erler wohltuend hervor durch sein angenehmes Timbre und durch die Mühelosigkeit, mit der er Lyrisches wie Virtuoses („Springt entzwei, ihr Herzensketten“) meistert. Thomas Gropper erfreut vor allem in baritonaler Lage, während er im Getümmel dramatischer Bass-Koloraturen („Alles, was von Gott geboren“ in BWV 80a) die Problematik des durchaus weitgefächerten Einsatzes des Bassregisters (und die daraus resultierende Schwierigkeit, dies alles in Personalunion abzudecken) erkennbar werden lässt. Nicht immer ist auch die Intonation komplett überzeugend, nicht immer hat man das Gefühl, der Instrumentalsatz der Werke sei in puncto interpretatorische Differenziertheit und Raffinesse schon ganz ausgelotet.

Michael Wersin, 02.11.2019



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