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Morton Feldman

Patterns In A Chromatic Field

Mathis Mayr, Antonis Anissegos

Wergo/Naxos WER73822
(80 Min., 7/2016)

„War das Werk nicht schön?“ Diese Frage stellte 1950 Morton Feldman John Cage, nachdem sie sich zufällig nach einem Konzert in New Yorker Carnegie Hall getroffen hatten. Feldman meinte damit Anton Weberns gerade gehörte Sinfonie op. 21, die wie vieles des österreichischen Schönberg-Schülers für ihn prägend wurde. Denn diese im Statischen verharrende, mit scheinbar ganz wenigen Mitteln spielende Sinfonie strahlte einen subtilen Zauber und eine magische Ruhe aus, die den Amerikaner Feldman in eine ganz eigene, sich zumeist im radikalen Slow Motion-Tempo bewegende Klangsprache übersetzen sollte. Und gerade in seinen späten Jahren spiegelte sich seine Arbeit an minimalistisch zusammengesetzten Klangflächen in mehrstündigen Stücken wider.
Auf immerhin 80 Minuten kommt jetzt das Duo Mathis Mayr (Violoncello) & Antonis Anissegos (Klavier) bei seiner Neueinspielung von „Patterns In A Chromatic Field“. 1981 und damit sechs Jahre vor seinem Tod schrieb Feldman dieses Kammermusik-Gebilde, das sich aus subtil veränderten Motiv-Wiederholungen, phosphoreszierenden Klanglinien und meditativ anmutenden Einzel-Tonkonstellationen zusammensetzt. Inspirationsquelle sollen dafür die besonderen Muster von Teppichen aus dem Nahen Osten gewesen sein (Feldman war ein begeisterter Sammler von orientalischer Webware). Und so, wie man erst bei genauestem Hinsehen die ultrafeinen Nuancen solch eines Teppichs erkennt, so haben nun Mathis Mayr und Antonis Anissegos den unglaublichen Facettenreichtum von „Patterns In A Chromatic Field” mit einem geradezu seismografischen Sensorium derart hörbar gemacht, dass man dieser Musik des 20. Jahrhunderts bis zur letzten Sekunde einfach nur mit spitzen Ohren lauschen muss.

Guido Fischer, 02.11.2019



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