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Ferdinand Ries

Kammermusik

Franz Ensemble

MDG/Naxos 9032136
(70 Min., 1/2019) SACD

Kammermusik des Beethoven-Freundes und -Schülers Ferdinand Ries (1784-1838): eine lohnende Entdeckung. Ihn endlich aus der Ecke des Epigonentums herauszuholen, in die er vor allem durch die Beethoven-Biografik, die sich eifrig an seinen Erinnerungen bediente, gestellt wurde, scheint unter dem direkten Eindruck seiner Musik eigentlich kein Problem: Sehr viel ganz eigenständige Kreativität ist hier auszumachen, stilistisch gesehen steht Ries, grob gesagt, schon weit mehr auf dem Boden der Romantik als Beethoven. Besetzungstechnisch erfreut vor allem die gleichzeitige Präsenz von Klavier und Harfe im Sextett op. 142, das ansonsten mit Klarinette, Horn, Fagott und Kontrabass bestückt ist: eine Kombination, die eine große Zahl klanglicher Kombinationen zulässt, eine reizvoller als die andere. Aber auch mit der vergleichsweise bescheidenen Besetzung des Streichtrios weiß Ries in jeder Hinsicht viel anzufangen. Kurzweilige Ornamentik und „ernsthafte“ motivisch-thematische Arbeit halten sich in diesem Stück überzeugend die Waage. Hätte man sich in dieser kleinen Trio-Besetzung etwas mehr Intonationsreinheit und virtuose Gewandtheit in allen Partien gewünscht, begeistern die Musikerinnen und Musiker des in puncto Besetzung flexiblen Franz Ensembles im Sextett und auch im Oktett (mit Klavier, Streicher und Bläsern) vollkommen. Trotz der genannten Schwächen insgesamt also ein höchst erfreuliches Projekt im Dienst an einem allzu lang geringgeschätzten Komponisten. Mehr davon!

Michael Wersin, 02.11.2019



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