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Sergei Prokofjew

Sinfonia concertante op. 125, Cellosonate op. 119

Bruno Philippe, Tanguy de Williencourt, hr Sinfonieorchester, Christoph Eschenbach

harmonia mundi HMM902608
(65 Min., 2 & 11/2018)

In Frankreich spielt offenbar gerade die Cello-Musik. Nach Jean-Guihen Queyras, Edgard Moreau und Camille Thomas möchte nun auch der 1993 geborene Bruno Philippe gehört werden. Im Jahr 2009 nahm er mit seinem Lehrer Raphaël Pidoux erstmals Offenbach auf, seither erschienen CDs etwa mit Brahms und Schumann oder Beethoven und Schubert (beide mit seinem regelmäßigen Pianistenpartner Tanguy de Williencourt). Sein nun fünftes Album ist exklusiv Sergei Prokofjew vorbehalten, außerdem erstmals auch Orchestrales. Mit Christoph Eschenbach, der sich gern junger Talenten annimmt, und dem hr Sinfonieorchester wurde die Sinfonia concertante op. 125 eingespielt. Das ist ein reizvolles Hybrid, zunächst 1933-38 als wenig befriedigendes Cellokonzert konzipiert; dann 1951 unter dem Einfluss seines zeitweiligen Kompositionsschülers Mstislav Rostropowitsch sinfonisch aus- und umgearbeitet. Bruno Philippe attackiert geradezu den von großen Intervallen geprägten, markigen Anfang des ersten Satzes. Und er liefert auch im Folgenden eine temperamentvoll-agile Interpretation, der Eschenbach und das schnell reagierende hr Sinfonieorchester gute Partner sind. Philippe überzeugt durch Ausdruck und Technik, besonders im langen wie vielschichtigen, dabei gern motorischen Allegro giusto. Vorbildlich abgesetzt bewältigt er den finalen Variationensatz.
Souverän geht der junge Interpret auch in der etwas früher für Rostropowitsch konzipierten Cellosonate mit dessen übergroßem Schatten um. Tanguy de Williencourt ist ihm dabei ein gut parierender Klavier-Konterpart. Besonders die zarten Stellen dieses charaktervollen Werkes in der Nachfolge der Sowjetklassiker Mjaskowski und Schostakowitsch arbeiten beide plastisch heraus.

Matthias Siehler, 02.11.2019



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