Kein Zweifel: Mozarts "Le nozze di Figaro" ist eine der großartigsten und genialsten Opern, die jemals geschrieben wurden. Trotzdem kann gerade dieser Geniestreich auf der Bühne oft langatmig, ja langweilig wirken. Denn während eine "Zauberflöte" auch mit nicht ganz so begnadeten Sängern in einer aufs Rumstehen beschränkten Durchschnittsinszenierung funktioniert, läuft ein "Figaro" nur dann am Schnürchen und so, wie er soll, wenn jedes Detail genau gearbeitet ist, wenn die Protagonisten ein sicheres Gespür fürs Timing besitzen und vor allem wissen, wie sie die Rezitative zu spannenden, energiegeladenen Szenen gestalten, anstatt sie wie notwendige Übel, wie dramatische Durststrecken zwischen Glanznummern abzutun.
Das Ensemble, das Zubin Mehta für diese Produktion des Maggio Musicale Fiorentino versammelt hat, beherrscht mehrheitlich die Kunst des Rezitativs. Und die Kunst der Komödie ebenso. Auch wenn die Buffofiguren Marcellina, Bartolo und Basilio der Versuchung, vordergründig zu chargieren, nicht widerstehen konnen. Jonathan Millers Inszenierung ist eine durch und durch konventionelle Angelegenheit. Lucio Gallo ist ein markanter Graf, doch das Rennen macht Patrizia Ciofis aufregende Susanna. Dass sie noch weit mehr kann, zeigt sie als Robert Carsens Traviata aus Venedig. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jochen Breiholz, 29.09.2006



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