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Marin Maris

Deuxième livre de pièces de viole

L´Achéron, Franҫois Joubert-Caillet

Ricercar/Note 1 RIC408
(356 Min., 2015-2018) 4 CDs

Zu den wenigen Porträts von Marin Marais gehört ein Gemälde von André Bouys, das ihn in einer für Gambisten untypischen Haltung zeigt. Monsieur Marais (1656-1728), seines Zeichens Haus- und Hofgambist des Sonnenkönigs, hat sein Instrument waagerecht auf dem rechten Oberschenkel abgelegt und spielt es wie eine Laute. Dabei blickt er versonnen in die prachtvolle, von dem berühmten Gartenarchitekten André Le Nôtre gestaltete Parklandschaft von Versailles. Tatsächlich spiegelt dieses Bild die musikalische Seelenverwandtschaft zwischen der Gambe und etwa der Theorbe, einer Basslaute, wider. Zudem lässt sich ihm entnehmen, dass der ausschließlich für seine Gambenkünste berühmte Marais auch ein Herz für das Zupfinstrument besaß. Einige klingende Beweise hat er hinterlassen, mit seinen „Programmstücken“, mit denen er die Gambe sich in den Geist anderer Instrumente einfühlen ließ, darunter die „Pavane selon le gout des anciens compositeurs de luth“, die in Marais´ „Deuxième livre de pièces de viole“ die Nr. 116 trägt. Sechs Minuten lang nimmt diese „Pavane“ ein, und ganz reduziert, nur mit einem Cembalo an seiner Seite, feiert Gambist Franҫois Joubert-Caillet dieses Musikstück mit einer Zärtlichkeit, Warmherzigkeit und auch mit einem kleinen Schuss Melancholie, dass es nur so eine Wonne ist.
Dieses so durch und durch zeitlos schöne Stück Kammermusik ist nun eines von 142 solcher Piècen, die sich in dem 1701 veröffentlichten 2. Gambenbuch des französischen Meisters finden. Was für ein Reichtum, dem sich da Gambist Franҫois Joubert-Caillet und sein Ensemble L´Achéron aufs Neue widmen konnten. Schließlich hat man sich fest vorgenommen, in den nächsten Jahren alle fünf „Livres de pièces de viole“ von Marais aufzunehmen. Und nach einer 2016 veröffentlichten Greatest Hits-CD sowie dem 1. Gambenbuch (2017) folgt hier nun der 2. Teil der Gesamteinspielung. Ob es sich nun um die klassischen Suitensätze à la Allemande, Courante & Co handelt oder um die hier erstmals in Marais´ Schaffen auftauchenden Charakterstücke wie „Glockenspiele“ oder „Die Dörflerin“ – Bass-Gambist Franҫois Joubert-Caillet und seine fünf Musikerfreunde an Bass-Gambe, Harfe, Theorbe, Gitarre und Cembalo bewegen sich mit Herz und Verstand durch dieses Musikuniversum, das in einem tiefe Bewunderung auszulösen vermag.

Guido Fischer, 09.11.2019



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