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Betsy Jolas, Sally Beamish, Olga Neuwirth

„Stories“ („Histoires vraies“, Trompetenkonzert, „… miramondo multiplo …“)

Håkan Hardenberger, Roger Murero, Malmö Symphony Orchestra, National Youth Orchestra of Scotland, Martyn Brabbins

BIS/Klassik-Center BISSACD-2293
(61 Min., 8/2014, 6/2017) SACD

In einem Interview hat der schwedische Trompeter Håkan Hardenberger einmal beachtliche Bilanz seines bisherigen Engagements für die zeitgenössische Musik gezogen. Unter dem Strich soll er seit 1987 im Schnitt zwei neue Konzerte pro Jahr uraufgeführt haben. Darunter finden sich Werke von namhaftesten Zeitgenossen wie Hans Werner Henze, Olga Neuwirth, Arvo Pärt, Mark-Anthony Turnage und HK Gruber. Weniger bekannt sind dagegen die beiden Komponistinnen Betsy Jolas und Sally Beamish, von denen Hardenberger nun die von ihm aus der Taufe gehobenen Werke mit Neuwirths „… miramondo multiplo …“ gekoppelt hat. Von der französisch-amerikanischen Komponistin Betsy Jolas stammt die einsätzige Suite concertante „Histoires vraies” für Klavier, Trompete und Orchester, die 2015 beim „Printemps des Arts de Monte Carlo“ uraufgeführt wurde. Das dreisätzige Trompetenkonzert der Engländerin Sally Beamish datiert hingegen auf das Jahr 2003.
Was beide Konzerte bei aller formalen Gegensätzlichkeit miteinander verbindet, ist die Feier der Trompete als eine Art „Gesangsinstrument“. Klangintensive, melosreiche Bögen werden von Hardenberger hier wie dort geschlagen, ohne das Gesamtgefüge vehement ins Wanken zu bringen. Nur im 3. Satz von Beamishs Trompetenkonzert geht es motorisch drängend und durchaus perkussiv hektisch zu – wobei der dafür auch eingesetzte Autoschrott leider keine besonderen klangfarblichen Spuren hinterlassen hat. So sehr diese beiden Werke somit dann doch im Ungefähren und wenig Wagemutigen verharren, so aufgeweckt, risikofreudig und hintergründig doppelbödig präsentiert sich Olga Neuwirths „… miramondo multiplo …“. Aus fünf „Aria“-Sätzen setzt sich diese schillernd-freche Klangcollage zusammen. Und selbst wenn Neuwirth dafür sogar Händels Largo-Hit „Lascia la spina“ und den Geist eines Miles Davis anzapft, tut sie das so raffiniert und mit einem siebten Sinn fürs Überraschende, den man in den Stücken ihrer Kolleginnen dann doch schmerzlich vermisst.

Guido Fischer, 16.11.2019



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