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Hector Berlioz, Gaetano Donizetti, Giuseppe Verdi u.a.

„Benjamin Bernheim“ (Arien)

Benjamin Bernheim, Prager Philharmonie, Emmanuel Villaume

DG/Universal 4836078
(63 Min., 5/2019)

Der Name ist Programm. Bernheim. Benjamin. Der französische Tenor, ein Anfangdreißiger, der in der Schweiz aufgewachsen ist und ausgebildet wurde, er soll die neue Vokalhoffnung seines Labels werden. Das hatte Jonas Kaufmann an die Konkurrenz verloren, mit Piotr Beczała, dem gegenwärtig besten, auf der Höhe seiner Kunst agierenden Tenor, war schon nach zwei Alben Schluss. Weiß man dafür jetzt, was man mit dieser neuen Stimme vorhat? Das Debütalbum wirkt uninspiriert. Man bildet ihn als nice guy next door in nüchterner Schwarzweißoptik ab, die Repertoirewahl orientiert sich an dem, was er gerade bei seiner Tour durch die großen Häuser so singt. Ein wenig Italienisch, ein wenig Französisch, als russisches Gusto-Stück den Lenski. Übliche Nummern für einen jungen und höhenstarken lyrischen Tenor. Immerhin fährt der ehrgeizige Bernheim zweigleisig, mit dem Berlioz- und Gounod-Faust (den er auch berückend schön für die BruZane-Stiftung in der Urfassung gesungen hat), Massenets Werther und Des Grieux (auf der Bühne eine stilvolle Offenbarung), andererseits Donizettis Nemorino und den noch etwas zu schweren Edgardo, mit Puccinis Rudolfo, Verdis Duca, Alfredo und den „Lusia Miller“-Rodolfo. Zu den Lollipops kommt für den Raritätensammler noch ein Ausschnitt aus Godards „Dante“. Benjamin Bernheim ist im Zürcher Pereira-Ensemble aufgewachsen, durfte sich bei ihm in Salzburg in kleineren Rollen profilieren, seit knapp zwei Jahren startet er international durch. Im französischen Fach ist er formidabel, im italienischen einer von mehreren Guten, mit nicht sehr spezifischem Timbre, schon metallischer Höhe. Geschmacksneutral auch die Begleitung von Emmanuel Villaume und seiner Prager Philharmonie. Da ist mehr drin!

Matthias Siehler, 23.11.2019



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Kommentare

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gemihaus
"Das Debütalbum wirkt uninspiriert." Punktum - tjaja, ein weiteres Verdi-Puccini-Album wäre sicherlich, nessun dorma, inspirierter gewesen. Bernheim gibt mit seinem Debut ein vocal erstklassig klangschönes und abwechslungsreiches tenorales Portrait mit nicht nur französisch hervorragender Diktion. Wenn doch ein Kaufmann in München oder Wien noch so singen könnte ... Benjamin Bernheim ist jedenfalls eine vocale Bereicherung, die allen heutigen Vergleichen pari bieten kann, noch.




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