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Antonín Dvořák, Bohuslav Martinů

Klavierkonzerte

Ivo Kahánek, Jakub Hrůša, Bamberger Symphoniker

Supraphon/Note 1 SU4236
(60 Min., 10/2017, 1/2019)

Beide hatten sie ihre Wurzeln in Böhmen. Und beide machten – wenngleich aus gänzlich unterschiedlichen Gründen – für Jahre die USA zu ihrem Lebensmittelmittelpunkt. Ansonsten aber lagen zwischen Antonín Dvořák und Bohuslav Martinů nicht nur zwei Komponistengenerationen (als Dvořák 1904 starb, war Martinů 14 Jahre alt). Bei aller Liebe für die heimische Volksmusik standen sie jeweils für ein völlig anderes Klangdenken: Dvořák war ein Mann des 19. Jahrhunderts, sein Kollege Martinů eben ein Mann des 20. Jahrhunderts. Diese zeitliche Spannweite spiegelt sich demnach auch in den Klavierkonzerten wider, die der auf die tschechische Klaviermusik spezialisierte Ivo Kahánek für seine erste Aufnahme mit den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša ausgewählt hat. Klassisch dreisätzig angelegt ist Dvořáks einziges, aus dem Jahr 1876 stammendes Klavierkonzert. Von Martinůs immerhin offiziell fünf Klavierkonzerten lernt man mit der Nr. 4 (1956) eine Art zweisätzige Fantasie mit der Bezeichnung „Incantation“ kennen – womit der Komponist die grundsätzliche „Magie“ der Musik betonte.
80 Jahre trennen die beiden Klavierkonzerte, von denen sich trotz solcher Fürsprecher wie Swjatoslaw Richter noch nicht einmal das großdimensionierte Dvořák-Opus im Konzertsaal etablieren konnte – was angesichts des epischen Charakters dieses Stücks mit all seinen packenden Kulminationspunkten (2. Satz), lyrischer Delikatesse (2. Satz) und vorwärts stürmenden Motorik (3. Satz) nicht zu verstehen ist. Ivo Kahánek erweist sich jedenfalls als glänzender Anwalt, der die genaue Dosierung auch fürs Dramatische dieser Musik findet. Darüber hinaus ist sein jugendlich-blühender Ton geradezu ideal für die zarten und nachdenklichen Momente dieses erzählerischen, anti-virtuosen Konzerts. Derweil lassen Jakub Hrůša und seine Bamberger Symphoniker bis in die feinsten kammermusikalischen Verästelungen hinein den Dialog mit dem Solisten nicht abreißen. Aus einem ganz anderen Holz geschnitzt ist Martinůs. 4. Klavierkonzert – mit seiner Mischung aus Burleskem und Bartókschem Barbarismo, aus Maschinenmusik und soundtrackhafter Opulenz. Und ab den ersten Takten merkt man, dass Ivo Kahánek nicht nur für dieses Stück brennt, sondern sich mit ihm schon seit einer halben Ewigkeit beschäftigt. So federleicht bewältigt er noch die sperrigsten Griffkombinationen.

Guido Fischer, 07.12.2019



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