Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart

Tutto Mozart!

Bryn Terfel, Miah Persson, Christine Rice, Scottish Chamber Orchestra, Charles Mackerras

Deutsche Grammophon/Universal 477 588-6
(63 Min., 4/2006) 1 CD

Mit einem aufregend unberechenbaren, in vieler Hinsicht überdimensionalen Stimmmaterial trat der große walisische Bär Bryn Terfel einst an. Noch ganz ungeschliffen wirkte er damals, Anfang der 90er Jahre, einerseits; und doch gelang ihm andererseits das Wesentliche stets mit überragender Konzentration und Beherrschung: Man höre etwa seinen 1991 erschienenen "Schwanengesang" (Schubert), um einen umfassenden Eindruck von der stupenden frühen Fassung dieses Juwels Bryn Terfel zu erhalten.
Seither ist Terfel deutlich braver geworden: Auf der vorliegenden CD nun präsentiert er sich als ganz gesitteter, nobler Mozart-Sänger; nach wie vor trägt ihn seine superbe Stimme, technisch im Großen und Ganzen sicher geführt, durch alle Fährnisse des Repertoires. Die schlanke, ein ganz klein wenig nasale Kernigkeit, die in der unteren Mittellage gleich bei der ersten Arie des Programms ("Non più andrai" aus dem Figaro) kurz aufscheint, erschreckt dabei ein wenig: Wollen wir den Figaro, ja wollen wir den Terfel sooo seriös? Ähnliche Bedenken rufen seine Papageno-Darbietungen ("Der Vogelfänger bin ich ja", "Ein Mädchen oder Weibchen", "Bei Männern, welche Liebe fühlen") mit ihren zahlreichen gepflegten Mezzopiano-Passagen hervor: Wie ist der gefiederte Erzlümmel, der so gar nichts von den priesterlichen Geboten in Sarastros Burg hält, plötzlich so zahm? Da lässt die Registerarie des Leporello ("Don Giovanni") direkt aufatmen: Hier - wie übrigens auch in "Hai già vinta la causa" ("Le Nozze di Figaro") und "Così dunque tradisci - Aspiri rimorsi atroci" - nutzt Bryn Terfel die Gelegenheit zu zeigen, dass er stimmlich auch noch zupacken kann - allerdings verliert er unter größerer Belastung dann hier und da doch ein wenig an Fokus und Strahlkraft. Untern Strich: Eine schöne, gepflegte, edle, bisweilen recht zahme oder gar sterile CD, die bezüglich des Hauptprotagonisten, genauer gesagt bezüglich seiner stimmlichen und darstellerischen Form, allerdings eine Reihe von Fragen offen lässt.

, 08.12.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top