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Jean-Baptiste Lully, Pascal Collasse, Marc-Antoine Charpentier, André Campra u. a.

Dumesny – Haute-Countre de Lully

Reinoud van Mechelen, A Nocte Temporis

Alpha/Note 1 ALP554
(77 Min., 8/2018)

Kochen, das war seine erlernte Profession. Und vielleicht wurde ja sein musikalisches Talent entdeckt, als er gerade in der Küche eines mächtigen Pariser Beamten so vor sich hin brutzelte und dabei ein Chanson trällerte. Jedenfalls wurde das damals auch schon knapp 40-jährige Sängertalent Louis Gaulard Dumesny von Jean-Baptiste Lully entdeckt. Und dieser holte ihn prompt in seine Operncompagnie und machte Dumesny zu einem gefeierten „Haute-Contre“, also zu einem Tenor, der eben auch schön hoch singen kann. Allein in sechs großen Opern von Lully, unter anderem in „Persée“, „Phaéton“ und „Roland“ übernahm er die Hauptrolle. Und im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte kam dieser Ausnahmesänger, der wohl an einer ausgeprägten Notenleseschwäche litt, von der Opernbühne nicht mehr runter. Geht man nach dem Programm, das nun der belgische Tenor und Barockspezialist Reinoud van Mechelen zu Ehren Dumesnys zusammengestellt hat, waren nicht nur solche französische Komponistengranden wie Marc-Antoine Charpentier, André Campra, Henry Desmarest und André Cardinal Destouches von dessen Gesang fasziniert. Auch heute eher vergessene Komponisten wie ein gewisser Pascal Collasse ließen sich von Dumesnys Stimme zu verlockend empfindsamen Arien inspirieren. Nicht nur musikalisch gehören daher bei diesem „Dumesny“-Pasticcio die Ausschnitte aus gleich drei Opern von Collasse zu den Highlights. Der mit diesem Repertoire auf Du und Du stehende van Mechelen entlockt mit seiner vibratoarm geführten und das Herz sowie den Verstand ansprechenden Stimme diesen Vokalperlen ihre ganze Kostbarkeit und ihren Zauber. Was natürlich auch für all die anderen Stücke zutrifft – und vor allem für Lullys Gänsehaut-Arie „Bois épais …“ aus „Armide“. Abseits der Opernbühne besaß Dumesny in Sachen Kleptomanie und Alkohol wohl einen eher unberechenbaren Charakter. Geht man hingegen nach Reinoud van Mechelen und seinem versierten Alte-Musik-Musik Ensemble „A Nocte Temporis“, war Monsieur als Künstler und Sänger durch und durch bewundernswert untadelig.

Guido Fischer, 28.12.2019



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