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Oxana Omelchuk

Sieben Intraden, Intermezzi 1–4, Wow and Flutter, Ballare, Staahaadler Aff u. a.

Oxana Omelchuk, Ensemble für Neue Musik Sankt Peter, Jonathan Stockhammer, Ensemble Musikfabrik, Schlagquartett Köln u. a.

Wergo/Naxos WER64302
(72 Min., 2004–2018) 1 CD + 1 DVD CD

Die Frage nach der Authentizität von Musik und den damit hochgezogenen Mauern in unseren Köpfen und Ohren hat der argentinische Wahl-Kölner Mauricio Kagel in seinem riesigen Schaffen immer wieder von doppelbödig bis burlesk aufgeworfen. Kagel ist zwar vor elf Jahren verstorben, doch sein grundlegender Zweifel am Nullpunkt, von dem aus Komponisten die Musikwelt stets neu vermessen wollen, infiziert weiterhin auch die nachfolgenden Generationen. 2002 kam die aus Weißrussland stammende Komponistin Oxana Omelchuk nach Köln, wo sie heute noch lebt und arbeitet. Und wenngleich sie nicht mehr bei Kagel studieren konnte, fand sie in Johannes Fritsch einen gleichermaßen undogmatisch eingestellten Lehrer. Und ab dem allerersten Stück der Oxana-Porträt-CD mit Werken von 2004 bis 2018 begegnet man einer Musikerin, die mit den auf ihrer körpereigenen musikalischen Festplatte abgespeicherten Klangerinnerungsstücken lustvoll experimentierfreudig und ideenreich umgeht. Wuchtige Klangsäulen, die an den sagenumwobenen Italiener Giacinto Scelsi denken lassen, wechseln sich in den „Sieben Intraden“ mit schauerlich flehenden Fanfaren und neobarock-gespensterhaftem Orgel-Glitzern ab. Die für E-Bass und Theremin bzw. Perkussion bzw. Spieluhr bzw. Synthesizer geschriebenen Duos „Intermezzi 1–4“ sind in sich gekehrte Abtastprozesse von Klängen und Geräuschen. Und auf das auch skurril jazzy aufgeladene „Quodlibet“ folgt „Wow and Flutter“ für zwei Posaunen und Ensemble, bei dem Oxana ein bizarr postmodernes Panorama von Ragtime bis Schaljapin präsentiert, ohne jedoch ins belanglos Parodistische zu verfallen. So wendig und überraschend wie ihre Musik ist, und daher keine Sekunde langweilig, so hätte ebenfalls Kagel sein helles Vergnügen an der Bonus-DVD mit zwei etwas anderen Perkussionswerken gehabt. Grundlage für „Ballare“ für Schlagzeug-Quartett bildet da eine Videosequenz aus dem WM-Qualifikationsspiel 2012 von Deutschland gegen Schweden. Und für „Staahaadler Aff“ stand ein auf einem Musikautomat aufgestelltes, mehrere Instrumente spielendes Äffchen Pate. Nun schlüpft die Perkussionistin Rie Watanabe in Oxanas buntem Hör- und Schauobjekt virtuos in die Rolle einer „Ein-Frauen“-Musikband – und grüßt dabei von Ferne Kagels legendäres „Zwei-Mann-Orchester“.

Guido Fischer, 28.12.2019



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