Justin Doyle hat als in der nunmehr zweiten Spielzeit amtierender neuer Leiter des RIAS Kammerchors im Januar sein erstes gemeinsames Album herausgebracht. Mit Benjamin Brittens „Hymn To St. Cecilia“ und anderen Chorwerken bewegte er sich dabei wohl bewusst auf vertrautem Terrain. Jetzt folgt als zweiter Plattenstreich eines der zentralen Werke des Repertoires, Joseph Haydns Missa Cellensis. Eigentlich heißt die ja „Missa Cellensis in honorem Beatissimae Virginis Mariae“, was ihr im Deutschen den falschen Titel „Cäcilienmesse“ eingebracht hat. Sie blickt auf eine lange Entstehungszeit von wohl 1766 bis 1773 und hat nicht nur einen Bandwurmtitel, sondern ist auch Haydns größte Messkomposition, mit 821 Takten in sieben Teilen und über einer Stunde Spieldauer. Gewidmet ist sie dem bedeutenden österreichischen Wallfahrtsort Mariazell in der Steiermark.
Ruhig und durchsichtig baut Doyle die lichte, optimistisch sprühende, barock verzierte Klangarchitektur in ihrer ganz traditionellen Abfolge und Struktur. Souverän lotet er Länge und Höhe aus, denkt auch in der feinzeichnenden Detailarbeit immer an das Ganze. Das hat einen strikten, souveränen Zugriff, das Stimmgefüge klingt zielgeführt, sicher und bettet sich stets schön in den ebenso warmfrischen Orchesterklang der Akademie für Alte Musik ein. Überlegen gestaltet Doyle die langsame sinfonische Introduktion am Anfang des Kyrie. Die rhythmischen, stark synkopierten Fugen werden zitterfrei absolviert, im Benedictus glänzt der Chor besonders. Dazu mischen sich angenehm die Stimmen von Johanna Winkel, Sophie Harmsen, Benjamin Bruns und Wolf Matthias Friedrich.

Matthias Siehler, 04.01.2020



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