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Otherworld

Leon Maria Plecity

JazzHausMusic/Galileo JHM 270
(57 Min., 10 und 11/2018)

Ein Atemhauch, dann der füllige Ton des Kontrabasses und der warme des Tenorsaxofons, zudem im Hintergrund zartes Gitarrenwehen, etwas Schlagzeug und zum Schluss noch ein paar Töne vom Klavier: So leitet das Quintett des Gitarristen Leon Maria Plecity mit einer sinnigerweise „The End Of A Voyage“ genannten Nummer das Album „Otherworld“ ein. Diese Anderwelt ist allerdings ganz gegenwärtig und entführt keinesfalls in ein Feenreich. Stattdessen wurzelt sie tief in der Jazzgeschichte, ohne das Vergangene explizit zu zitieren oder zu imitieren.
Erst im Februar 2019 hat der 1995 geborene Gitarrist und Bandleader Leon Maria Plecity das Abschlusskonzert seines Bachelor-Studiums gegeben. Sein Debütalbum klingt allerdings bereits meisterlich. Dies ist einerseits Leon Maria Plecitys effektiv und scheinbar selbstverständlich aus dem Instrument gleitenden Melodielinien zu verdanken, und andererseits dem bestens aufeinander abgestimmten Ensemble, in dem der Kontrabassist Roger Kintopf und der Schlagzeuger Felix Ambach ein feinsinnig pulsierendes Fundament legen, das Niklas Roever am Flügel und E-Piano ebenso geschmackvoll wie die beiden bereichert. In den meisten Stücken hat Leon Maria Plecity zudem mit dem Tenorsaxofonisten Julius Gawlik einen Partner an seiner Seite, der ihn mit ausdrucksstarken Soli in der Führungsrolle ablöst.
Alle fünf zeichnet die Fähigkeit aus, die ausschließlich vom Bandleader komponierten Stücke einerseits in der Schwebe zu halten, und sie andererseits an zentralen Stellen zu einem kompakten Klangbild zu konzentrieren. Das beständige Hin und Her im Ausdruck, zudem geschickt herausgespielte Breaks und die permanenten Wechsel in der Färbung des Ensembleklangs sowie die einfallsreichen Soli halten in jedem der acht Stücke die Spannung hoch.
In diesem Umfeld spinnt Leon Maria Plecity die selbst komponierten Themen so souverän wie ein alter, erfahrener Jazzgitarrist aus. Er besitzt ein fabelhaftes Gespür dafür, die Aufmerksamkeit mit variationsreichen, weit schwingenden Melodielinien zu binden oder auch Anklänge an Figuren aus Hard Rock, Fusion und manchmal auch Folk aufkommen zu lassen. Ein rundum schlüssiges und ausgereiftes Debütalbum.

Werner Stiefele, 04.01.2020



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Kommentare

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flicipi
Sehr schön geschrieben.




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