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Louis-Nicolas Clérambault, Johann Sebastian Bach, Franҫois Couperin u. a.

Grandes Orgues 1710 (Chapelle Royale Versailles)

Ton Koopman

CdV/Note 1 CVS016
(57 Min., 5/2019)

Die Orgel in der Schlosskapelle von Versailles wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von dem renommierten Orgelbauer Robert Clicquot erbaut und 1710 von Franҫois Couperin eingeweiht. Leider blieb das prachtvolle Instrument nicht in seinem Urzustand, sondern wurde zahlreiche Male umgestaltet, glücklicherweise stets unter Beibehaltung des originalen Gehäuses: Schon im 18. Jahrhundert kam es zu Veränderungen der Disposition, im 19. und 20. Jahrhundert erfolgten tiefgreifende Umbauten, zunächst zu einer romantischen, dann zu einer neoklassizistischen Orgel. Nach all diesen Maßnahmen blieb Ende der 1980er-Jahre, als man sich glücklicherweise zu einer Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands entschlossen hatte, nur der komplette Abbau und anschließend der auf den Originalplänen beruhende Wiederaufbau. Im Jahr 1995 wurde die renovierte Orgel durch Michel Chapuis eingeweiht. 2019 konnte Ton Koopman dafür begeistert werden, ein für dieses wunderbare viermanualige Instrument mit seinen prägnanten Registern maßgeschneidertes Programm einzuspielen. Ins Zentrum stellte Koopman hierfür zwei Suiten von Nicolas Clérambault, der ab 1714 königlicher Organist am französischen Hof war. Sowohl das „Plein jeu“ der Orgel als auch die kraftvollen Zungenstimmen kommen in diesen Suiten exemplarisch zur Geltung. Kompositionen Louis-Claude Daquins und der beiden Couperins ergänzen das Programm sinnvoll. Ein wenig „schräg“ im Wortsinne ist der kurze Ausflug zu Bach: Warum Koopman ausgerechnet die in f-Moll stehende Choralbearbeitung „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ aus dem Orgelbüchlein ausgewählt hat, die wegen der nicht gleichschwebenden Stimmung des Instruments teils abenteuerlich angespannt klingt, bleibt sein Geheimnis … Ansonsten liefert Koopman zuverlässig das, was man von ihm stets erwarten darf: virtuoses Orgelspiel mit knackiger Artikulation, glasklar ausgeführten Verzierungen und feinsinnig differenzierter Agogik. Ein Genuss.

Michael Wersin, 11.01.2020



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