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N° 1236
15. - 21.01.2022

nächste Aktualisierung
am 22.01.2022



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John Bull, Alfonso Ferrabosco, John Baldwin u. a.

In nomine II

fretwork

Signum Classics/Note 1 SIGCD576
(59 Min., 5/2017 & 6/2018)

Innerhalb der abendländischen Musikgeschichte gibt es so manche markante, ja bisweilen merkwürdige Tradition. Eine dieser Traditionen nahm ihren Anfang im England des 16. Jahrhunderts: Der Komponist John Taverner schuf das „Benedictus“ seiner „Missa Gloria tibi Trinitatis“ (ähnlich wie auch die anderen Sätze dieser und anderer Messen) auf Basis einer gregorianischen Melodie, eines Cantus firmus. In dieser Messe erscheint der komplette Cantus firmus allerdings tatsächlich nur im „Benedictus“, und zwar bei den Worten „in nomine Domini“. Weil diese Passage bei Taverner satztechnisch so vollkommen gelungen ist, ließen sich schon einige seiner Zeitgenossen dazu inspirieren, auch solche „In nomine“-Kompositionen über denselben Canuts firmus zu verfassen. So entstand in England jene „In nomine“-Tradition, die dann auch von Komponisten späterer Generationen aufgegriffen wurde. Über 300 „In nomines“, so vermutet der Beiheft-Autor, gibt es insgesamt. Das Gambenensemble fretwork hat vor mehr als 30 Jahren seine erste CD schon solchen „In nomines“ gewidmet, und mit der vorliegenden Veröffentlichung knüpft man unter dem Titel „In nomine II“ sowohl an diese alte englische Tradition als auch an die eigene Ensemble-Geschichte an. Interessanterweise enthält das Programm diesmal auch zwei moderne „In nomines“ von Nico Muhly und Gavin Bryars. Ein Hoch auf die alten Meister: Besonders das Stück von Muhly konnte den Autor dieser Zeilen nicht wirklich überzeugen. Bemerkenswert hingegen die Vielfalt, mit der Komponisten wie John Bull, John Baldwin oder Alfonso Ferrabosco den alten gregorianischen Cantus firmus immer wieder neu in polyphone Mehrstimmigkeit einflochten. Vertieft man sich in diese vielen kurzen Stücke und bemüht sich, immer wieder den Cantus firmus hörend zu identifizieren, wird diese CD niemals langweilig – obwohl der tendenziell etwas meditative Gamben-Sound durchaus etwas Hermetisches hat. Die Musikerinnen und Musiker von fretwork beherrschen die alten Instrumente atemberaubend perfekt, Intonation und klangliche Homogenität könnten nicht vollkommener gelingen. Eine CD für Liebhaber und Kenner – und für solche, die es werden wollen.

Michael Wersin, 18.01.2020



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