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Carl Philipp Emanuel Bach

Oboe Concertos, Symphonies Wq. 180 & 181

Xenia Löffler, Akademie für Alte Musik Berlin

harmonia mundi HMM 902601
(63 Min., 3/2018)

Man kann allenfalls ahnen, wie Carl Philipp Emanuel Bach es geschafft hat, als Komponist eine ganz eigenständige Stilistik zu entwickeln: Als zweiter überlebender Sohn seines Vaters wurde er noch stark von dessen Musikpraxis geprägt, und wie tief sein Verständnis für Johann Sebastian Bach und dessen Kunst war, zeigen seine mutmaßlichen Beiträge zum Nekrolog des Vaters. Mit dem Aufkommen einer eigenständigen C.P.E.-Bach-Rezeption, die nun schon seit geraumer Zeit ernsthaft betrieben wird, tritt aber gleich eine neue Gefahr auf den Plan: Einstmals immer nur „Sohn“ eines großen Vaters, wird er nun zu einem experimentierfreudigen Gestalter des Übergangs von der barocken zur klassischen Epoche gekürt. Freilich: Ein Stück weit ist er das sicher. Seine häufig noch Generalbass-gestützten Werke scheinen oft Versatzstücke barocker Motivik zu verwenden, die in ein aufgewühltes, vom schnellen Wechsel der Affekte bestimmtes musikalisches Geschehen eingebunden werden. Allerdings ist genau jener schnelle Wechsel, der in sämtliche Bereiche des musikalischen Satzes hineindringt, etwas fundamental Neues: Der Weg von der Abbildung standardisierter Affekte zur kreativen Umsetzung individuellerer Empfindungen wird hier mutig beschritten, und die Musik beginnt zu „lernen“; konträre, scheinbar einander fremde Arten der „Bewegung“ auf engstem Raum zu einem sinnvollen Ganzen zu verbinden – in der Musik Haydns, Mozarts und Beethovens wird diese neue Technik zu einer elementaren Erfahrung.
Xenia Löffler und die Akademie für Alte Musik Berlin sind in zwei Oboenkonzerten und zwei Sinfonien dieser stilistischen Revolution auf der Spur: Auf höchstem technischen und interpretatorischen Niveau spüren sie der aufwühlenden „Emotionalität“ der Musik C. P. E. Bachs konsequent nach und machen das atemberaubend Neue an dieser Ästhetik zum Erlebnis. Zuspitzen statt Nivellieren: Nur auf diese Weise findet man zu einer angemessenen klingenden Würdigung dieses wichtigen Komponisten im bewegten 18. Jahrhundert.

Michael Wersin, 25.01.2020



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