Ein heiterer Antipode im oft streng-schwülstigen 19. Jahrhundert hätte letztes Jahr seinen 200. Geburtstag feiern können: der ewig unterschätze, nur langsam in der Fülle seines wahnwitzigen Gesamtwerkes erkannte Jacques Offenbach. Auch er liebte, wie damals ganz Frankreich zumindest, das musikalische Spanien. Bolero- und Malagueña-Anspielungen erklingen immer wieder in seinen reizvollen Operetten. So auch in dem beim eigenen Pariser Festival der rührigen Stiftung Palazzetto Bru Zane aufgeführten und mitgeschnittenen Singspiel „Maître Péronilla“. Da kastagnettenklappert bereits die Ouvertüre, die übrigens ein Deutscher verrührt: Markus Poschner am Pult des Orchestre National de France. Iberia à la française, das kommt gut bei Jacques Offenbach. Nicht von ungefähr, war er doch mit einer spanischen Generalstochter verheiratet. Und deshalb gibt es über ihn auch den viel zitierten Ausspruch: Es ist mehr Spanien im Hirn von Jacques Offenbach als in ganz Spanien selbst! Die 1878 herausgekommene Opéra bouffe in drei Akten spielt in Madrid und dreht sich um die Hochzeit mit Hindernissen von Manoëla, der Tochter eben des Meisters Péronilla, seines Zeichens Schokoladenmacher. Gleich zu Anfang singt der von seiner Profession in einem – natürlich – Couplet de Chocolat. Was der Charaktertenor Éric Huchet ganz fabelhaft macht. Auch wenn das witzfunkelnde, rhythmuspikante Stück damals nicht besonders ankam, denn der deutsche Komponist war den Franzosen nach dem verlorenen 1871er-Krieg nicht mehr wirklich geheuer: Es ist absolut hörenswert! Mit Antoinette Dennefeld, Tassis Christoyannis, Chantal Santon Jeffery, Véronique Gens, Loïc Félix sind bewährte Bru-Zane-Interpreten am Start, die nicht nur schnell klarmachen, wie gut sich die Holzklapper zum Verführen der Damen eignet. Als jüngerer Bruder der „Périchole“ gehört das in jede Operettendiskothek – nicht nur wegen der edlen Buchform.

Matthias Siehler, 08.02.2020



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