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Hans Abrahamsen, Gérard Pesson, Oscar Strasnoy

Klavierkonzerte (Left, Alone, Future is a Faded Song, Kuleshov)

Alexandre Tharaud, Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin, hr-Sinfonieorchester Frankfurt, Tito Ceccherini, Les Violons du Roy, Mathieu Lussier

Erato/Warner 9029532307
(63 Min., 2012, 2016, 2017)

Alexandre Tharaud ist nicht nur ein pianistischer Gourmet, sondern auch ein Goumand. Denn dass er einen schier unstillbaren Appetit auf Klaviermusik aller Art besitzt, lässt sich allein an seinem jüngsten diskografischen Output ablesen. Auf seiner letzten Aufnahme „Versailles“ zeigte er sich einmal mehr als Bewunderer der französischen Tastenkunst des Hochbarock. Auf dem jetzt nur kurz darauf erschienenen Album präsentiert sich Tharaud mit drei für ihn geschriebenen Klavierkonzerten als begeisterter Gegenwartsmusiker. Und natürlich walten in den mit drei verschiedenen Orchestern vorgelegten Weltersteinspielungen nun ganz andere Kräfte als bei den Piècen von Lully, Rameau & Co.
Bei dem einsätzigen Konzert „Future is a Faded Song“ (2012) des Franzosen Gérard Pesson schälen sich aus der hinkenden, von abgehakten Gesten und perkussiven Einschlägen durchlöcherten Eröffnung immer wieder handfeste Muster heraus, die an Ravel, Jazz, Märsche und Walzer erinnern. Das sechssätzige Klavierkonzert „Left, Alone“ des Dänen Hans Abrahamsen ist – wie der Titel bereits verrät – nur für die linke Klavierhand geschrieben. Und im Gegensatz etwa zu der extrem lyrischen und oftmals expressiv in sich hineinhorchenden Tonsprache, mit der Abrahamsen in letzter Zeit auch mit seinem Liederzyklus „Let Me Tell You“ für Aufsehen gesorgt hat, wird das nachdenklich-intime Klanggewebe von „Left, Alone“ (2015) schon mal von heftigen Stürmen und rhythmischen Kaskaden durchgerüttelt, die von Ferne Ragtime-Charakter zu besitzen scheinen. Mit diesem Idiom spielt auch der in Argentinien geborene und in Paris und Frankfurt ausgebildete Komponist Oscar Strasnoy in seinem einsätzigen Klavierkonzert „Kuleshov“, dessen Titel auf eine spezielle Filmtechnik aus dem frühen 20. Jahrhundert zurückgeht. Herausgekommen ist nicht nur ein lustvolles, burleskes und motorisch ausgelassenes Spiel mit Versatzstücken, die von Schostakowitsch bis zu moritatenhaften Melodiesplittern reichen. Zwischendurch verwandelt sich Tharaud gar in einen surreal tickenden Klangautomaten. Doch auch diese abenteuerliche Rolle stemmt er natürlich tadellos. Überhaupt kann man eigentlich nur staunen, mit welcher Selbstverständigkeit er sich durch diese anspruchsvollen, auch fürs breite Publikum reizvollen Klavierkonzerte bewegt. Andererseits weiß man ja mittlerweile, dass Tharaud einfach alles und das auch ausnahmslos gut spielen kann.

Guido Fischer, 15.02.2020



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