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Jean Sibelius

Sinfonie Nr. 2, König-Christian II-Suite

Gothenborg Symphony Orchestra, Santtu-Matias Rouvali

Alpha/Note 1 ALP574
(71 Min., 6/2019)

Als der hektisch kleine Irrwisch Santtu-Matias Rouvali vor zweieinhalb Jahren zum Nachfolger von Gustavo Dudamel in Göteborg gekürt wurde, kannte ihn kaum jemand. Der Schüler des finnischen Dirigier-Gurus Jorma Panula schien eine akkurate Mischung aus Troll, Springquell und Friseur-Alptraum. Er stürzte sich sofort auf die Werke seines finnischen Landsmannes Jean Sibelius.
Der chronologisch fortschreitende Sinfonienzyklus hält hier an der zweiten Station. Und lässt aufhorchen. Viel feingliedriger, wendungsreicher und weniger tranig kommt die 2. Sinfonie im Vergleich daher, sogar wenn man ihr die Lesarten von Großmeistern wie Karajan, Beecham oder (in jüngerer Zeit) Osmo Vänskä an die Seite stellt. Die Tempi sind flink, aber nicht flüchtig. Der Legato-Kult, der Sibelius gern in empfindliche Wagner-Nähe rückt, scheint vollständig aufgekündigt. Hier weht ein herber, frischer Ostsee-Wind durch die Partitur.
Und welch Fülle von Einzelstimmen im abgespeckten Apparat! Im 2. Satz scheint die Nähe Russlands beinahe mitkomponiert. Das Vivaccissimo bietet ungeahnte Turbulenzen, ohne je in Pathetik zu verfallen. Großartige Steigerung zum Finalsatz! Manch stachlige Unebenheit bleibt in der Ausführung bestehen (so eine struppig imperfekte Generalpause im 2. Satz). Mit dieser inneren Aufgetriebenheit erzielt Rouvali eine Dramatik, die perfekt überleitet zur selten zu hörenden König-Christian-II-Suite op. 27.
Bei dieser Schauspielmusik (zu einem Drama von Adolf Paul) handelt es sich um eine echte Rarität. Nur Neeme Järvi und Pietari Inkinen haben sie eingespielt. Dabei war das Werk 1898 kein Frühwerk mehr, sondern entstand kurz vor der 1. Sinfonie. Sibelius dirigierte es noch 1926 bei seinem letzten Auslandsauftritt. Keine Frage, dieses Album markiert einen überraschenden Neuaufbruch.

Robert Fraunholzer, 22.02.2020



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