„Dornröschen“ mit seinem vergleichsweise schlanken Körper ist ganz wach, singt, wispert, tönt mit filigraner Leichtigkeit und betörender Schönheit. Als sei dies alles ganz leicht. Dabei wird die berühmte, nach der Märchenfigur benannte Stradivari-Geige von ihrer gegenwärtigen, ebenfalls ziemlich bekannten Inhaberin Isabelle Faust durch nicht eben einfaches Notenmaterial geführt. Arnold Schönbergs Violinkonzert liegt bei ihr wie beim Schwedischen Radio-Sinfonieorchester unter ihrem bewährten Dirigierpartner und -freund Daniel Harding auf den Pulten. Und bei dieser souveränen Technikerin wie Interpretin gestaltet sich das als leuchtend klare Elfenmusik. Nichts da von spröder Zwölftonverrichtung, die dem Werk anhängt und es zu einer der Seltenheiten im Repertoire macht. Wie improvisiert, staunend und sehr direkt nähert sich die Faust dem allem mit sinnlich glühender G-Saite. Die Instrumentalunterstützung nimmt das äußert flexibel und mit feinschattierter Dynamik auf. So klingt das Komplexe immer durchsichtig, das Abstrakte voll Leidenschaft, das angeblich Schrille schön und wie gesungen. Man merkt sehr deutlich, dass diese so makellose Künstlerin hier extrem gefordert ist, trotzdem gehen ihr die hoch romantischen wie expressiven Elemente des Werkes über alles. Wie zur Entspannung gibt es in der zweiten Album-Hälfte mit der Unterstützung hochmögender Kammermusikfreunde wie Anne Katharina Schreiber, Antoine Tamestit, Danusha Waskiewicz, Christian Poltéra und Jean-Guihen Queyras jenes legendäre Schönberg-Sextett genauso wie es heißt: als zart „Verklärte Nacht“.

Matthias Siehler, 07.03.2020



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