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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Johann Sebastian Bach, Johann Bernhard Bach, Johann Ludwig Bach

Ouvertures for Orchestra

Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

Naïve – Indigo/375 Media 05181952
(70 Min., 12/2018)

Die Instrumentalmusik von Johann Sebastian Bach gehört besonders und ganz zentral zum Interessensgebiet des Cembalisten und Ensembleleiters Rinaldo Alessandrini: Regelmäßig hat er in den vergangenen Jahren beachtenswerte Einspielungen von Werkzyklen (zum Beispiel den „Brandenburgischen Konzerten“) oder originelle Kompilationen („Cross-Dressing Bach“) auf Alben präsentiert. Nun sind es die vier Orchestersuiten (Ouvertüren), ergänzt um zwei weitere Werke dieser Art aus dem Familienkreis: die e-Moll-Ouvertüre des Cousins Johann Bernhard und die G-Dur-Ouvertüre des entfernteren Verwandten Johann Ludwig.
Dass Rinaldo Alessandrini als Continuo-Cembalist selbst inmitten des Orchesters sitzt, verleiht seinen Einspielungen grundsätzlich eine spezielle Note: Nicht dirigierend, sondern ganz unmittelbar musikalisch kommunizierend greift er ins Geschehen ein, indem er an passenden Stellen kleine Überleitungen, Verzierungen und sonstige obligate Kommentare einwirft. Die Bassgruppe wird auf diese Weise gewissermaßen zum Motor, ja zum Herz des Ensembles, ihre Präzision im Zusammenspiel ist fulminant. Alle anderen gestalten ihre Partien in enger Abstimmung mit dem Continuo. Freilich: So sollte es sein im barocken Orchester, aber so ist es eben auch im historisierenden Geschäft bei weitem nicht immer. Alessandrinis gestaltende Kraft ist zudem auch direkt im Agieren der Oberstimmen stets hörbar. Das hochfein abgestimmte Messa di voce der Violinen etwa ist von staunenswerter Einheitlichkeit, es kann sich, etwa in der berühmten „Air“ aus der D-Dur-Suite, fast bis zum Manierismus steigern. Neckisch blitzt in der zweiten Gavotte derselben Suite eine dezente „Inégalité“ in der artikulatorischen Gestaltung auf. Die eigenständigen Ebenen – Bläser, Streicher, Continuo, Bassgruppe – fügen sich in der „Forlane“ der C-Dur-Suite zu einem klangräumlich fein ausdifferenzierten Ganzen. Manche der Einzelsätze wird man mit dieser Aufnahme quasi neu entdecken oder aus ungewohnter Perspektive erleben. Insofern ist diese Neueinspielung ein Gewinn.

Michael Wersin, 14.03.2020



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