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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Luigi Cherubini

Discoveries (Sinfonie, Märsche u. a.)

Filarmonica della Scala, Riccardo Chailly

Decca/Universal 4831591
(74 Min., 10/2016)

Böse Zungen behaupten, dass Luigi Cherubini der Prototyp eines Wendehalses gewesen ist. Denn in seiner Wahlheimat Frankreich hatte der gebürtige Italiener auf den jeweiligen Zeitgeschmack so treffsicher reagiert wie auf die politisch wechselnden Machtverhältnisse. Andererseits hatte Cherubini noch zu Lebzeiten die prominentesten Fürsprecher. Ob Haydn, Mendelssohn, Spohr und nicht zuletzt Beethoven, der den Kollegen immerhin als „größten Komponisten“ seiner Epoche ausrief. Warum sich zudem ein Hector Berlioz immer wieder auch dann von Cherubinis Orchestrierungskünsten begeistert zeigte, wenn dieser sich dem scheinbar leichten Ton der Repräsentationsmusiken widmete, hört man den bisweilen nur eine Minute dauernden Orchestermärchen ohne Wenn und Aber an. Insgesamt zehn solcher Märsche hat Riccardo Chailly aus den Archiven der Berliner Staatsbibliothek ausgraben lassen und sie nun mit der Filarmonica della Scala nicht allein weltersteingespielt; kombiniert wurden sie vielmehr mit einer Ouvertüre in G-Dur sowie einer viersätzigen Sinfonie D-Dur, die bei aller Nähe zur Oper und zum großen Salon stets auch etwas leicht Wuchtiges und Treibendes im Sinne des frühen Beethoven besitzt. Die eigentlichen Entdeckungen sind aber eben die Märsche, die Cherubini für die unterschiedlichsten Anlässe komponierte, für Krönungszeremonien, Gedenkfeiern oder als musikalisches Mitbringsel für eine Feier auf dem Lande. Von der Besetzung her reicht daher der Bogen auch vom großen Orchester bis zur gewitzt auftrumpfenden Harmoniemusik. Aber während anderen Kollegen für solche Gelegenheitsstücke nur Banalitäten eingefallen wären, erweist sich Cherubini als ein Komponist voller Esprit auf hohem Niveau. Und genau das vermittelt Chailly mit seinem Orchester auf höchstem Niveau.

Guido Fischer, 14.03.2020



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