Jacques Offenbach

Pomme d’api, Sur un volcan

Magali Léger, Florian Laconi, Marc Barrard Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

cpo/jpc 5552682
(83 Min., 12/2019)

 

Das Offenbach-Jahr 2019, gefeiert anlässlich des 200. Geburtstages des „Mozarts der Champs-Élysées“, der längst auch notendingfest gemacht wurde als ein pikant klingendes Erotikon wie als treffsicher tönender Polit-Karikaturist, welcher über das Zweite Kaiserreich des dritten Napoleons hinausreichte – dieses Offenbach-Jahr, es schlackert mit ein paar CD-Novitäten auch noch nach 2021 hinein. Kein Wunder, wurden die beiden jetzt von cpo im Schnellschuss veröffentlichten Einakter doch erst im Dezember als Schlussknaller der Kölner Feierlichkeiten in seiner Geburtsstadt aufgeführt. Obwohl das charmante „Pomme d’api“ von 1873, das den Spitzname eines Dienstmädchens im Titel führt, ein Stück der Spätzeit ist, wo solche Beschränkung nicht mehr von den Theaterbehörden geordert wurden, sind hier wieder nur drei Personen singend auf der Bühne: der skurrile Junggesellen-Onkel (Marc Barrard singt ihn pointiert), Neffe Gustave (tenorwacker: Florian Laconi) und eben die Bonne Catherine, auf die beide mehr als nur ein Auge geworfen haben; die aber selbstredend den Jungen erhört. Magali Léger verkörpert sie mit Witz und Verve der spitzhöhigen Operetten-Soubrette. Nach dem Absingen eines amourös langatmenden Duos sowie zweier possierlicher Trios (beim ersten geht es kokett ums Kotelett-Grillen) steigt der verwirrte Onkel aus der verhinderten Menage à trois aus und gibt seinen großzügigen Segen. Michael Alexander Willens und seine petite Kölner Akademie lassen es gustiös tönen – mit sanfter Flöte, lasierenden Streichern, Triangel, Cornet, Posaune und Schlagwerk. Alle diese Beteiligten wirbeln auch ordentlich im zweiten farcenhaften Einakter, eine Trouvaille, die Offenbach-Papst Jean-Christophe Keck wiedergefunden hat. „Sur un volcan“ wird dem Ministerialbeamten Ernest L’Épine zugeschrieben, Offenbach aber pimpte die Groteske über zwei französischen Marinesoldaten, die als Partisanen die Stadt Dublin in Geiselhaft nehmen, kompositorisch wie instrumental auf. Eine nette Entdeckung.
Eine solche ist auch die dank des Schweizer Labels Relief dem Dunkel des Leipziger Rundfunkarchivs entrissene, allerletzte und parallel zu „Hoffmanns Erzählungen“ entstandene dreiaktige Offenbach-Operette „La belle Lurette“ aus dem Jahr 1958. Noch nie komplett eingespielt, ist diese DDR-Fassung von über 100 Minuten eine schöne Überraschung. Den Werktätigen war dieses Opus teuer, weil es im proletarischen Wäscherinnenmilieu spielt, und die schöne Lurette über einen aus Jux angeheirateten Herzog triumphieren lässt. Mit kernig sozialistischen Stimmen wird klassenkämpferisch kräftig drauflosmusiziert – in bester Monoqualität. Als Ergänzung finden sich hier fehlende Nummern aus einem französisch espritvollen Querschnitt des O.R.T.F von 1965.

Matthias Siehler, 14.03.2020




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top