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César Franck

Präludien, Fugen und Choräle

Nikolai Lugansky

harmonia mundi HMM 902642
(66 Min., 7/2019)

Sein Zuhause war natürlich die Orgel. Doch der aus Lüttich stammende Wahl-Franzose César Franck komponierte nebenher zum Glück auch noch so manche Werke fürs Klavier. Wie beispielsweise das berühmte Triptychon „Prélude, choral et fugue“, mit dem Franck Johann Sebastian Bach seine Reverenz erweisen wollte. Doch sollte gerade der Choral dabei die Seelenverwandtschaft zu einem anderen romantischen Bach-Jünger offenbaren, der für den eingefleischten Wagnerianer Franck eigentlich Tabu hätte sein müssen. Es war Johannes Brahms, dessen Faible für herbstlich-melancholische Klangstimmungen Nikolai Lugansky jetzt sanft und würdevoll zugleich bei Franck nachschwingen lässt. Zudem macht er in diesem Choral aber auch eine gewisse Herzensschwere hörbar, die einen an die späten Klavierstücke von Franz Liszt erinnert.
Mit dem „Prélude, choral et fugue“ sorgt Lugansky so direkt für den ersten Höhepunkt auf seinem César Franck gewidmeten Album. Eine ganze CD nur mit Klavierwerken von Franck? Nicht ganz. Denn neben dem weniger bekannten, dreisätzigen Klavier-Opus „Prélude, aria et final“ gibt es zwei Arrangements von Orgelstücken. Von dem Paderewski-Schüler Harold Bauer stammt die Einrichtung von „Prélude, fugue et variation”. Für das Album bearbeitete Lugansky zudem Francks berühmten Orgel-Choral Nr. 2. Nun sorgt das Gesamtprogramm für einen eher hochromantisch nachdenklichen Grundton. Doch Lugansky erweist sich hier einmal mehr als ein Meister der Spannungsbögen, der genau herausgehörten Farben und Tönungen, der Gedankentiefe und Abgründe. Und all das sorgt dafür, dass man hier wie gebannt dieser immer noch wenig geläufigen, weil allzu selten gespielten Musikwelt zuhören muss.

Guido Fischer, 21.03.2020



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