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Happy Birthday Django

Wawau Adler

GLM/Soulfood EC589
(46 Min., 10/2019)

Zwei Gitarren, Kontrabass, Violine: Mehr braucht es nicht für vergnüglichen Gitarrenswing, der sich an der Musik von Django Reinhardt orientiert. Am 23. Januar 1910 wurde der Gitarrist in Belgien geboren und am 16. Mai 1953 starb er in der Gegend von Paris: ein Vorreiter des europäischen Jazz, der in den 1930er-Jahren mit seinem Quintette du Hot Club de France und anderen Ensembles auf das Gitarrenspiel der französischen Sinti, der Manouches, aufbaute und dieses mit der damaligen Modemusik, dem Swing, verband.
Wawau Adler, Jahrgang 1967, knüpft mit bewährten Partnern an diese Tradition des „Manouche Swing“ an, ohne Django Reinhardts Interpretationen zu kopieren. Wie der aus einer Familie deutscher Sinti-Musiker stammende Gitarrist die Melodien andeutet, in einen rasanten Lauf verwandelt, die Saiten dehnt und mit Akkorden einen Akzent oder Schlusspunkt setzt, knüpft andererseits an dessen Improvisationen an. Der Kontrabassist Joel Locher, schon seit mehr als einem Jahrzehnt Mitglied in den verschiedenen Formationen Adlers, sorgt zusammen mit dem Rhythmusgitarristen Hono Winterstein für ein solides Fundament, und der Geiger Alexandre Cavaliere unterstreicht als zweiter Solist die melodiöse Qualität dieser Musik.
Bekanntes und weniger Bekanntes hat Wawau Adler für seine zweite Hommage (die erste erschien 2010 zum Hundertsten) an Django Reinhardt zusammengestellt. Dabei sprechen Balladen wie „I Love You For Sentimental Reasons“, „Lune De Miel“, „I Will Wait For You“ oder „Time On My Hands“ die romantische Ader an. Ansonsten dominieren mittlere Tempi, wobei Adler und Cavaliere Stücke wie „How High The Moon“, „The Man I Love“ oder „Django’s Tiger“ durch rasante Soli würzen. Sie beherrschen, was auch schon Django Reinhardt auszeichnete: die Synthese aus populären, eingängigen Motiven und brillantem Virtuosentum.

Werner Stiefele, 21.03.2020



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