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Thomas Adès

„Adès conducts Adès“ (Klavierkonzert, Totentanz)

Kirill Gerstein, Mark Stone, Christianne Stotijn, Boston Symphony Orchestra, Thomas Adès

DG/Universal 4837998
(56 Min., 3/2019, 11/2016)

Schon früh, noch vor seinem Kompositionsstudium am altehrwürdigen Kingʼs College an der Cambridge-Universität, wurde Thomas Adès als Wunderknabe der zeitgenössischen Musik gehandelt. Drei Jahrzehnte später zählt der gebürtige Londoner nicht nur zu den meistgespielten Komponisten der Gegenwart. Seine enorm breit angelegte Klangsprache, die stets auch mit Einflüssen aus Barock und Jazz flirtet, ist bei den Weltklasseorchestern von Berlin bis Los Angeles heiß begehrt. Zwei seiner jüngeren Stücke hat Adès nun mit dem Boston Symphony Orchestra weltersteingespielt. Es sind das dreisätzige Klavierkonzert sowie der „Totentanz“ für Mezzosopran, Bariton und Orchester. Und gleich bei den ersten Takten des Klavierkonzerts ist klar, dass Adès hier nicht das Gattungsrad neu erfinden wollte. Federnd und latent mit einem leichten Swing setzt sich da der Kopfsatz in Bewegung und pickt nicht nur Einflüsse etwa von Ravel auf, sondern mutiert bisweilen zu einer „I Got Rhythm“-Fantasie. Publikumswirksam, da ebenfalls mit vertrauten Elementen der klassischen Moderne virtuos jonglierend, kommt der Finalsatz daher. Und Kirill Gerstein löst auch da die spieltechnisch kniffligen Retro-Soundcollagen mit Bravour.
Dass Adès besonders mit der Gesangsstimme umzugehen versteht, hat er etwa mit seiner Erfolgsoper „The Tempest“ bewiesen. Ausgangspunkt für seinen vokalen „Totentanz“ war eine mittelalterliche Darstellung des spindeldürren Sensenmannes, vor dessen Klauen sich der Papst genauso wenig retten kann wie ein Ritter und ein Neugeborenes. Den dazu von einem anonymen Dichter stammenden deutschen Text hat Adès auf die beiden Solo-Partien verteilt, bei denen der Bariton Mark Stone als „Tod“ zu hören ist und die Mezzosopranistin Christianne Stotijn als dessen „Opfer“. Und beide haben jetzt ausreichend Möglichkeiten, mit ihrem dramatischen Stimmpotential in einem Werk zu wuchern, das unter absolutem Dauerhochdruck steht. Doch auch das Boston Symphony Orchestra darf sich in Bestform zeigen. Mal wirft man sich mit tosenden und taumelnden Totentanz-Rhythmen ins Geschehen. Dann wieder strahlt das Orchester tröstende Seelenruhe aus – im Finalsatz mit all seinem Mahler-Melosstrom.

Guido Fischer, 28.03.2020



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