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Edvard Grieg

Violinsonaten

Eldbjørg Hemsing, Simon Trpčeski

BIS/Klassikcenter Kassel BISSACD-2456
(72 Min., 12/2018, 03 & 09/2019)

Sie greift kraftvoll zu, sie klingt rau, kompakt, fassbar. Der Geigenton der jungen Norwegerin Eldbjørg Hemsing atmet nichts Leichtgewichtiges, Esoterisches, Anämisches. Diese Künstlerin hat einen Willen und eine Vorstellung, sie möchte wissen, dabei aber ebenso sich verströmen, kommunizieren, mitteilen. Es liegt etwas Drängendes, Aufgestautes in diesem Spiel, das spannungsvoll rausmöchte. Und das den melodiezarten, temperamentvollen, aber auch gern als Salonmusik geschmähten drei Violinsonaten ihres berühmten Landsmanns Edvard Grieg konsequent alles Säuselige, nebenbei Gesungene nimmt. Eldbjørg Hemsing geht diese Musik vehement und direkt an. Das verdichtet sich zu einem quellklaren, wunderfeinen, strukturhellen Parcours durch Musik, die in den ersten beiden Sonaten, die nur zwei Jahre auseinanderliegen, ungestüm und naturhaft klingt; erst in der späteren 3. Sonate von 1886 tönt es etwas abgeklärter. So mündet das dann folgerichtig in einer kurzen, solistisch vorgetragenen Eigenkomposition der 30-Jährigen: „Homecoming“, Variationen nach einem Volkslied aus Valdres, nimmt diesen scheinbar folkloristisch warmen, aber eben doch künstlerisch erfundenen, spätromantisch intensiven Grieg-Tonfall auf und gibt ihm einen modernen Anstrich. Simon Trpčeski, sonst als Solist unterwegs, lässt sich hier nicht unterkriegen, ist deutlich Partner auf Augenhöhe, der eigene Farben beisteuert, teilweise auch massiv die Marschrichtung vorgibt. Aber er kann durchaus Eldbjørg Hemsing den Vortritt lassen, denn beide sind sich in Temperatur und Intensität ebenbürtig. Ein toller Grieg-Parcours – der Landschaftlichkeit wie Leidenschaftlichkeit.

Matthias Siehler, 28.03.2020



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