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Justin Heinrich Knecht, Ludwig van Beethoven

Portrait musical de la nature, Sinfonie Nr. 6 F-Dur „Pastorale“

Akademie für Alte Musik Berlin, Bernhard Forck

harmonia mundi HMM 902425
(74 Min., 06/2019)

Wie halten wir es mit dem Beethoven-Jahr? Klar, dass sich da viele Ensembles und Plattenfirmen Gedanken gemacht haben. Bei harmonia mundi wollte man es nicht kistendick enzyklopädisch, sondern zeitgenössisch originell. Zentralpfeiler ihres Projektes „Beethoven 2020–27“ sind zwar auch die Sinfonien, aber mit überraschenden Interpreten und ungewöhnlichen Ergänzungen. Wie zum Beispiel einer besonders in den Streichern kleinbesetzten Berliner Akademie für Alte Musik mit ihrem Konzertmeister Bernhard Forck als einem auch damals üblichen, verlässlichen Impulsgeber vom ersten Pult aus. Der freilich dirigiert die 6. Sinfonie eher zaghaft, zwischen der Vielzahl der Klassiker und sonstigen diskografischen Möglichkeiten ein wenig krampfig um einen besonderen Klang und eine distinguierte Zugangsweise bemüht. Das hemmt Lebendigkeit und Spontaneität. Das sonst so forsche Ensemble spielt hier wie mit eingezogenem Bogen.
Ein grandioser Hörspaß ist hingegen das Supplement mit dem fünfsätzigen sinfonischen „Portrait musical de la nature“ des etwas älteren Zeitgenossen Justin Heinrich Knecht (1752–1817). Der war Musikdirektor in Biberach, bekannt als Organist und Verfasser musikpädagogischer wie musiktheoretischer Werke. 1784 wurde sein „Tongemälde der Natur“ in Speyer verlegt, wie auch einige der Beethoven-Stücke. Da wird eine Kenntnis mehr als nur angenommen. Zumal auch das Programm („idyllische Landschaft – Gewitter – Danklied der Natur an den Schöpfer“) sehr ähnlich ist. Knecht beschreibt brav, aber farbig tonmalerisch, Beethoven fügt allerdings noch das Gefühl frühromantischen Pantheismus hinzu. Doch das „Erwachen heitere Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“ wirkt diesmal – auch wenn es anders heißt – bei Knecht weit spannender und aufregender.

Matthias Siehler, 11.04.2020



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