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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Multiverse

Jim Hart, Ivo Neame

Edition Records/The Orchard – Bertus EDN1147
(38 Min., 6/2016 & 8/2017)

Der britisch-skandinavische Dreierbund Phronesis bewirbt sich gerade um den Preis für das Piano-Trio mit den experimentierfreudigsten Mitgliedern: Nach dem Schlagzeuger Anton Eger, der mit „Æ“ eines der originellsten Alben des Jahres 2019 vorlegte, bringt nun auch Pianist Ivo Neame eine alles andere als gewöhnliche Einspielung heraus.
Auf „Multiverse“ bewegt sich der Brite gemeinsam mit dem Schlagwerker Jim Hart durch eine Vielzahl eigentümlicher Klangwelten. Deren bizarrer Facettenreichtum entsteht nicht bloß durch den Einsatz von moderner Studiotechnik (wie etwa im von John Taylor stammenden Stück „Au Contraire“, das regelmäßig in ein Funkloch zu fallen scheint) oder Synthesizern mit digitalem Schluckauf, sondern in erster Linie durch die Mehrfachbefähigungen der Beteiligten.
Denn Neame und Hart machen aus zwei gerne mal vier, wenn der eine (Neame) als studierter Jazzsaxofonist zur Klarinette greift und der andere (Hart) sich als enorm wendiger Vibrafonist erweist. Und so wird einem nie langweilig bei der Reise der beiden durch verschiedenste Universen: Sei es, dass sie mit verhallten Rhodes und brachial klingenden Besenspielereien („Moksha“) den Geist der 1970er-Jahre mit den Klangbearbeitungsmöglichkeiten der Gegenwart heraufbeschwören, Frank Zappa grüßen lassen in ihren verzwirbelt-verschmitzten Kompositionskonstruktionen („The Exchange“) oder bei dem brasilianischen Unikum Hermeto Pascoal („Serie De Arco“) kammermusikalisch ernsthaft vorbeischauen. Ach ja: An das berühmte Duo von Gary Burton und Chick Corea fühlt man sich spätestens beim Albumfinale „Back Home“ natürlich auch erinnert.
Aber selbst wenn sich Neame und Hart in Nummern wie „Room 1003“ oder „Transference“ durchaus grooveaffin fusionjazzig geben, meiden sie standardisierte Abläufe wie der Teufel das Weihwasser. Verrückt und fordernd das alles. Hatten wir eigentlich schon erwähnt, dass der Phronesis-Bassist Jasper Høiby dieser Tage mit „Planet B“ auch ein ziemlich ambitioniertes Soloalbum herausgebracht hat?

Josef Engels, 11.04.2020



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