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Johann Sebastian Bach

„In the French Style“ (The Complete Works for Keyboard, Vol. 3)

Benjamin Alard

harmonia mundi HMM 902457.59
(210 Min., 5 & 9/2019) 3 CDs

Mit dem dritten Teil seiner Gesamtaufnahme sämtlicher Werke für Tasteninstrumente ist Benjamin Alard nun in Johann Sebastian Bachs früher Weimarer Hoforganisten-Zeit ab 1708 angekommen. Allerdings präsentiert er den Hörern noch nicht das berühmte „Orgelbüchlein“, jene kompositorisch revolutionäre Sammlung von Choralvorspielen, die man als Organist vielleicht als erstes mit Weimar assoziiert. Vielmehr erleben wir den Organisten Bach hier noch mit einzelnen Choralbearbeitungen („Allein Gott in der Höh sei Ehr“, „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ in mehreren Versionen“), mit zwei harmonisch gewagten Choral-Sätzen inklusive Zeilenzwischenspielen und mit der großen C-Moll-Passacaglia. Alard verwendet für den Orgel-Teil dieser Folge die großartige Silbermann-Orgel, die in Marmoutier steht – ein klanglich umwerfend schönes Instrument sowohl im Plenum als auch hinsichtlich der als Solostimmen verwendeten Register. Das Orgel-Programm von Folge 3 wird gerahmt von zwei Cembalo-CDs, deren erste, aufgenommen auf einem Originalinstrument aus dem frühen 18. Jahrhundert, die französischen Einflüsse auf Bachs Komponieren in der Weimarer Zeit beleuchtet – eine ungewöhnliche Perspektive, die auch weniger bekannte Werke (etwa die Suiten BWV 806a und BWV 818a) zum Vorschein bringt. Auf der letzten CD dieser Box setzt Alard unter anderem mit zwei „Englischen Suiten“ (diejenigen in F-Dur und a-Moll) einen Kontrapunkt, gespielt auf einem Cembalo-Nachbau aus der Werkstatt Humeau. Insgesamt bleibt Alard seinem begrüßenswerten Prinzip treu, vereinzelt Werke anderer Komponisten einzustreuen, die Bachs stilistische Vorbilder repräsentieren und die sich teils auch nachweisbar in Bachs Notenbibliothek befanden. In diesem Sinne hören wir in Folge 3 auch Musik von Raison, Couperin, de Grigny und Fischer. Insgesamt wird die Anteilnahme des Hörers nach den vielen Frühwerken der ersten beiden Boxen – für deren Interesse-weckende Vermittlung Alard freilich alles Menschenmögliche getan hat – nun schon deutlich effektiver beflügelt. Mit Blick auf Alards interpretatorisches Geschick bleiben wir weiter gespannt auf seine Ankunft in den zentralen Gefilden der großen bekannten Werke.

Michael Wersin, 09.05.2020



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