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Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 5

MusicAeterna, Teodor Currentzis

Sony 19075884972
(31 Min., 8/2019)

Zurückrudern mit Teodor Currentzis. In Salzburg hatte der exilgriechische Pulttänzer und -ekstatiker alle neun Beethoven-Sinfonien längst aufgeführt. Da verlautete, er werde vier der Werke bei seinem bevorstehenden Aufführungszyklus in Wien an den Kollegen Giovanni Antonini abtreten. Vom gesammelt angekündigten Zyklus auf CD ist auch keine Rede mehr. Nach Zitterpartien hinter den Kulissen erscheint hier erst einmal nur Sinfonie Nr. 5. Mit gut einer halben Stunde Laufzeit ist das Album viel zu kurz.
Konzert-Besprechungen hatten damals eine gewisse Einseitigkeit beklagt. Als wäre dies ungewöhnlich beim extremistischen Ansatz, für den Currentzis bekannt ist (und bewundert wird). Die Tempi, nicht nur im berühmten Klopfmotiv-Satz, halten genau die von Riccardo Chailly; sind also rasch, aber nicht zu rasch. Sie folgen Beethovens Metronomangaben. Eine holzkistenhafte Trockenheit plus Aplomb und Staubwirbel sorgen für reizvolle Sepia-Effekte. Leicht hohles, theaterhaftes Pathos macht Theaterdampf. Ein Sturm im altmodisch geschliffenen Wasserglas.
Das Ensemble MusicAeterna bietet ein Höchstmaß an Verfeinerung, Maserung und klanglicher Wärme. Sehr schön, sehr tiefenscharf, sehr plastisch. Die handlich kleine Besetzung verkleinert das Werk in seinen räumlichen Dimensionen, nicht aber in der Bedeutung. Dieser gepanzerte, kompakte Klang sticht sogar Paavo Järvi und die Kammerphilharmonie Bremen aus – und erscheint doch innerlich gelöster. Wir werden Zeugen eines aufschlussreichen, keineswegs sterilen oder despektierlich zu betrachtenden Auftakts zu einem neuen Beethoven-Zyklus. Neuartig im Ansatz ist das nicht. Vielversprechend aber doch.

Robert Fraunholzer, 23.05.2020



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