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Pēteris Vasks

Violinkonzert „Distant Light”, Sommertänze, Klavierquartett

Vadim Gluzman, Finnisches Radio-Symphonieorchester, Hannu Lintu, Sandis Šteinbergs, Ilze Klava, Reinis Birznieks, Angela Yoffe

BIS/Klassik Center Kassel BIS-SACD-2352
(85 Min., 2017 & 2018)

Unter den zeitgenössischen Komponisten gehört der Lette Pēteris Vasks zur Riege derjenigen, die nicht für ein Spezialistenpublikum schreiben. „Ich habe immer davon geträumt, dass meine Musik dort zu hören ist, wo Menschen unglücklich sind“, hat er einmal geäußert – „in Krankenhäusern und Gefängnissen, in überfüllten Zügen und Bussen.“ Etwas Tröstendes nicht zuletzt im religiös-spirituellen Sinne müssen daher all seine Stücke unbedingt besitzen. Wobei die musikalischen Ausdrucksgrenzen zwischen balsamischem Melos und qualvollen Lamenti, zwischen lebensbejahender Ausgelassenheit und verstörendem Marter- und Pein-Ton oftmals fließend sind. Selbst in den sieben kurzen „Sommertänzen“ für zwei Violinen, die jetzt erstmals auf CD zu hören sind, durchbrechen immer wieder dämonisch-dunkle und tragödienhaft traurige „Gesänge“ die entspannte Idyllen-Stimmung. Von 2017 stammt dieser Duo-Reigen. Womit er das jüngste der drei Werke ist, die der israelische Geiger Vadim Gluzman für sein Vasks-Porträt ausgesucht hat. Zu Beginn spielt er mit dem von Hannu Lintu geleiteten Finnischen Radio-Symphonieorchester das mit „Fernes Licht“ betitelte Konzert für Violine und Streicher, das Vasks 1997 für seinen alten Freund Gidon Kremer geschrieben hat. Von 2001 stammt hingegen das ebenfalls großdimensionierte Klavierquartett, das Gluzman mit lettischen Musikern wie Reinis Birznieks (Cello) und der Pianistin Angela Yoffe eingespielt hat. In diesen beiden Hauptwerken herrscht beklemmende Unruhe, mag nichts die dichte Wolkendecke durchdringen, die über dem Geschehen schwebt. Vieles erinnert dabei an das Weh und Ach in der Musik Dmitri Schostakowitschs. Und selbst den Passacaglia-Satz im Klavierquartett kann man eigentlich nur als einen einzigen Aufschrei hören. Doch auch in solchen Momenten lässt sich Gluzman mit seinen Mitstreitern nicht etwa zur entsprechenden Gefühlswallung hinreißen. Vielmehr bewahrt er mit seinem zupackenden, spannungsgeladenen und körperreichen Spiel die nötige Distanz, um allein die Musik „erzählen“ zu lassen. Und diese Erzählungen fesseln stolze 85 Minuten lang.

Guido Fischer, 23.05.2020



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