Ein Stück lebendige, klingende Musikgeschichte, das Freude macht: Die „Groupe de Six“, eine lose Vereinigung von fünf Komponisten und einer Komponistin, bildete sich während des Ersten Weltkriegs in Frankreich. Was sie vereinte, war die Ablehnung des romantischen und auch des impressionistischen Stils, dem sie eine bewusst unakademische, durch die Unterhaltungsmusik inspirierte Tonsprache entgegensetzen. Erik Satie war Vorbild und Mentor der jungen Aufrührer. Francis Poulenc hat aus heutiger Perspektive von den Mitgliedern der Gruppe wohl den nachhaltigsten Ruhm erzielt, einige der anderen sind überhaupt nicht mehr im Gespräch. Umso interessanter ist es, einmal eine konzentrierte Sammlung von Musik aller sechs und ihres Mentors Satie in Händen zu halten. Es zeigt sich, dass hier ein hohes Maß an Kompetenz und wohl auch interpretatorischer Potenz versammelt war: Vieles, was aus der „Groupe“ kam, klingt vordergründig ganz planmäßig ein wenig klamaukig und wild, ist aber satztechnisch oft erstaunlich dicht gearbeitet und erfordert eine bemerkenswerte Geläufigkeit am Tasteninstrument. Pascal und Ami Rogé, die meistens an zwei Klavieren spielen, sind immer wieder bis an die Grenzen ihrer Virtuosität beschäftigt. Es bestätigt sich insgesamt ein Eindruck, den auch die Musik Poulencs für sich genommen vermittelt: Ein Revolutionär zu sein bedeutet nicht, mit beschränkten Fähigkeiten auszukommen. Was hier zu hören ist, ist in vieler Hinsicht an der „ernsten“ Musik der Zeit geschult, sowohl strukturell wie auch hinsichtlich der interpretatorischen Anforderungen. Was hinzukommt – und die Darbietung nicht eben leichter macht –, ist der Anspruch einer unterhaltsamen Leichtigkeit, die sich für den Hörer allerdings nur dann einstellt, wenn mit klassisch geschulter Kompetenz zu Werke gegangen wird. Pascal und Ami Rogé gewährleisten dies für das vorliegende Programm.

Michael Wersin, 30.05.2020



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