Eine lyrische Sopranistin mit Koloratur hat Ambition. Und einen bekannten Tenorehemann. Wie das heute bei den ziemlich rücksichtslosen Powerpaaren der Oper so ist: Die Häuser müssen sie engagieren, gern zusammen, die Plattenfirma des Gatten gewährt ihr Obdach. Und nach einer ziemlich matten (der Herr ist im fortgeschrittenen Aufnahmealter) Duo-CD mit Ehegespons Roberto Alagna darf sie nun beim neuen Label auch ihr erstes Solo-Album vorlegen. Die Rede ist von der Polin Aleksandra Kurzak. Die ist – ausgebildete Pianistin – sehr musikalisch und hat auch eine einnehmende Bühnenpräsenz. Nur die Stimme, die ist leider nichts Besonderes. Egal, nach der Decca lässt man sie nun bei der Sony ran. Und hätte sie sich bei ihrer Auswahl beschränkt auf osteuropäische Oper, wie hier mir Dvořáks „Rusalka“, Tschaikowskis „Eugen Onegin“-Tatjana und Moniuszkos Halka, man hätte von einer idiomatisch feinen, mitreißenden Sammlung sprechen können. Dafür hat die Stimme die richtige Extension, ein dunkles, fülliges Timbre, da formt sie auch akustisch Charaktere. Doch das Album heißt „Desire“, man müsste es ehrlicherweise „Wrong Ambition“ nennen. Denn der ganze Arienrest, immerhin neun Nummern, ist Dutzendware. Begleitet von einem anonymen, entsprechend neutral klingenden Telefonensemble namens Morphing Chamber Orchestra Vienna unter dem routinierten Frederic Chaslin, gibt es nette Konfektion wie die Micaela, die Nedda, die Liu. Erstaunlich gut bewältig Kurzak die Verdi-Belcanto-Grammatik der „Ernani“-Elvira und der „Trovatore“-Leonora, ohne freilich bleibenden Höreindruck zu hinterlassen. Überfordert ist sie mit der „Madama Butterfly“, nicht den richtigen Verismo-Affektausdruck findet sie für „Tosca“ und „Adriana Lecouvreur“ – alles bereits geplante Rollendebüts. Eine funktionierende Betriebsnudel also, wer braucht so was für die heimatliche Diskothek?

Matthias Siehler, 06.06.2020



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