Bisher war Lisa Batiashvili eigentlich immer das seriöse Mädchen im Geigendorf. Die großen Konzerte oder Bach-Sonaten, Zeitgenössisches oder Musik ihrer georgischen Heimat, in diesem hochachtbaren Repertoirekreis bewegte sich diese so virtuose wie sensible Interpretin, die stetig nur makellose Alben vorlegte. Und ohne Tadel kommt auch ihre jüngste Veröffentlichung daher. Doch „City Lights“ offenbart neben dem Charlie-Chaplin-Titel bereits auf dem Cover, was hier abgeht: Lisa mit weißer Baskenmütze und kecker Federschmuckblicke auf nächtliche Häuserfassaden blickend, enthüllt den doch ein wenig mehr Crossover-unterfütterten Ansatz ihres neuesten Geigenabenteuers auf CD: eine musikalische Reise zu den Metropolen der Welt, eine Hommage an die globale Großstadt – heißt sie New York, Rom, Wien, London, oder Berlin. Oder eben Helsinki, Bukarest, Tblisi oder München, alles Orte, die für Batiashvili eine auch biografische Bedeutung haben. Und dafür hat sie sich tönende Begleiter – Nachbarn aus demselben Label-Stall – verschiedenster Stilrichtungen eingeladen. Stilsicher wie stets hat sie alle diese Notenkoffer gepackt. Der gewandte Bearbeiter Nikoloz Rachveli dirigiert mal das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, mal das Georgian Philharmonic Orchestra, die hier klingend Gestalt gewinnen. Ungewöhnlich scheint nur Bach für München. Finnland wird zum Wiegenlied, mit Marlenes Koffer trompetenjazzt sich Till Brönner durch ein geigenleuchtendes Berlin. Maximilian Hornung darf in Rom bei Morricone mitschmachten. Und immer klingt dazu und darüber Lisa Batiashvili leicht und strahlend schön.

Matthias Siehler, 27.06.2020



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