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Thomas Tallis, Carlo Gesualdo, Jonathan Seers, Owain Park u. a.

Fading

The Gesualdo Six

Hyperion/Note 1 CDA68285
(64 Min., 2/2019)

Gute und sogar hervorragende Einspielungen von vokalpolyphoner Musik gibt es mittlerweile in gar nicht so geringer Zahl. Besonders in England sind seit Jahren einige Formationen unterwegs, die speziell das englische Repertoire der Renaissance vorbildlich pflegen. Seltener allerdings wird der Versuch unternommen, Alte Musik mit Neuer Musik zu kombinieren. Das ist kein Wunder: Eine Gruppe, die mit den interpretatorischen Spezifika der Vokalpolyphonie vertraut ist, hat nicht automatisch auch Zugang zu modernen Klangwelten. Allerdings lassen sich mit einigem Geschick durchaus Programme zusammenstellen, innerhalb derer gerade diejenigen interpretatorischen Parameter, die für das alte Repertoire eine wichtige Rolle spielen, auch für neue Stücke nutzbar gemacht werden können. Zu diesen Parametern zählen unter anderem: Saubere Intonation, klangliche Homogenität, enge Verbindung zwischen Sprache und Melos. Über all diese Qualitäten verfügen die Männer von „The Gesualdo Six“ im Übermaß – ihre Ensemblekultur hat geradezu „King’s-Singers“-Qualität. Und so ergibt es sich, dass zwischen Stücken wie Gesualdos „Illumina faciem tuam“ oder Gomberts „Media in vita“ einerseits und Jonathan Seers „Look down, o Lord“ oder Sarah Rimkusʼ „My heart is like a singing bird“ andererseits faszinierende Verbindungslinien sichtbar werden. Natürlich nicht in dem Sinne, dass die modernen Stücke nicht wirklich „modern“ wären. Aber sie sind immerhin so ausgewählt, dass sie sich gegenüber denjenigen Qualitäten, die die Alte Musik fordert, nicht destruierend verhalten, sondern diese vielmehr nutzen und in neue Klangräume und Harmonien überführen. Das ist sehr spannend und ästhetisch zutiefst befriedigend. Wahrlich ein Brückenschlag, mit einem brillanten Ensemble als verbindender Konstante.

Michael Wersin, 27.06.2020



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