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Johann Sebastian Bach

Cello-Suiten

Alisa Weilerstein

Pentatone/Naxos PTC 5186751
(161 Min., 7 & 9/2019) 2 CDs

Als höchsten Gipfel des Violoncello-Repertoires haben Generationen von Cellistinnen und Cellisten Bach sechs Suiten für Cello solo erlebt und dargeboten, und in der Tat: Die solistische Performance eines Melodieinstruments, auf dem Mehrstimmigkeit zwar mitgedacht, spieltechnisch aber nicht schrankenlos umgesetzt werden kann, ist sozusagen die höchstmögliche Zuspitzung der Monodie. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben vor allem historisierend musizierende Cellisten diese Stücke eingespielt, und sie haben dabei der faszinierenden Nacktheit dieser Stücke einerseits die puristische Geradlinigkeit eines vibratoarmen Klangs zur Seite gestellt, haben andererseits aber durch ausgeklügelte Artikulation (die Originalquellen sind in diesem Punkt alles andere als eindeutig) und hochsensible Detailarbeit in puncto musikalische Rhetorik die Kantilenen vielfältigst zum Sprechen gebracht. Und nun tritt Alisa Weilerstein mit ihrer Einspielung hervor. Sie gehört nicht zur historisierenden Szene, sie fühlt sich der Musik offenbar nicht vor dem Hintergrund ihrer zeitgenössischen Interpretationsbedingungen verpflichtet: Vibratofreiheit ist kein Thema, das Vibrato ist durchgehend präsent, wird aber geschmackvoll dezent zum Einsatz gebracht. Die großen Bögen der Musik werden entsprechend zwar nicht in romantischer Manier ausgespielt, aber sie stehen häufig doch mehr im Vordergrund als das kleingliedrige motivische Geflecht. Das Wechselspiel zwischen Legato und non Legato ist virtuos und effektvoll, aber sicherlich nicht eminent „barock“, so wie es vielleicht an der Schola in Basel unterrichtet würde. Insgesamt also eine typisch postmoderne Interpretation: Nicht Rostropowitsch oder Maisky standen Pate für diese Interpretation, aber auch nicht Bylsma oder Swarts. Es ist stilistisch eine eigene, eine eigenständige Darbietung, die immerhin Beachtung verdient.

Michael Wersin, 04.07.2020



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