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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



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Ludwig van Beethoven, Edgard Varèse, Sergei Prokofjew u. a.

„A New Century“

The Cleveland Orchestra, Franz Welser-Möst, Paul Jacobs

Cleveland/Note 1 TCO0001
(188 Min., 2017–2019) 3 CDs

Wenn Dirigent und Orchester ohne Not ihren gemeinsamen Kontrakt verlängern, spricht das für ein ausgesprochen harmonisches Verhältnis. 2019 besiegelten so auch Franz Welser-Möst und das Cleveland Orchestra ihre weitere Zukunft, die nunmehr bis 2027 andauern soll. Dann wäre es immerhin ein Vierteljahrhundert, das dieses Team miteinander verbracht hätte. Um wohl auch die Vertragsunterzeichnung noch einmal nachträglich gebührend zu feiern, hat man jetzt auf dem orchestereigenen Label eine schmuck aufgemachte 3-CD-Querformat-Box mit Live-Aufnahmen aus dem Zeitraum 2017 bis 2019 veröffentlicht. Statt aber die eigene Interpretationsgeschichte mit dem üblichen Repertoire-Kanon aus sinfonischen Hits, konzertanten Reißern und einem Hauch Alibi-Moderne Revue passieren zu lassen, spiegeln die sechs Werke eine erstaunliche Bandbreite wider, die man besonders von Franz Welser-Möst nicht unbedingt erwartet hätte. Immerhin hat sich der eher als gediegener Handwerker gesehene Österreicher als Fan des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart geoutet. Vom französischen Sound-Futuristen Edgard Varèse ist da mit „Amériques“ eine experimentelle Breitwandklang-Studie zu erleben. Transparentes und dabei herrlich atmendes Orchesterspiel erwartet einen in Richard Straussʼ „Aus Italien“. Und Sergei Prokofjews 3. Sinfonie entpuppt sich mit ihrem spannungsgeladenen, gereizten und robusten Innenleben als ungemein visionär. Ganz zeitgenössisch und dauerdräuend geht es mit „Stromab“ weiter, das der Österreicher Johannes Maria Staud 2016 auch im Auftrag des Cleveland Orchestras geschrieben hat. Und von Stauds Landsmann Bernd Richard Deutsch stammt „Okeanos“ – das mit seinen auch herrlich illuminierten Tonprismen fast als jenes Orgelkonzert durchgehen könnte, das Olivier Messiaen leider nie geschrieben hat. Der einzige Ausreißer bei diesem anspruchsvoll facettenreichen Programm ist ausgerechnet Beethoven. Dessen spätes Streichquartett op. 132 erklingt hier in einer Streicherorchesterfassung, die der Arrangeur Welser-Möst auch mit Kontrabässen allzu romantisch angedickt hat.

Guido Fischer, 04.07.2020



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