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Antonio Salieri, Johann Nepomuk Hummel, Jan Václav Voříšek

„Beethovens Welt“ Vol. 3 (Variationen über „La Follia”, Doppelkonzert, Sinfonie)

Mirijam Contzen, Herbert Schuch, WDR Sinfonieorchester, Reinhard Goebel

Sony Classical 19075929602
(78 Min., 6/2019)

Die neueste Folge seines alternativen Beethoven-Projekts eröffnet Reinhard Goebel mit einem wahren Ohrenwurm. Es ist der einst von Arcangelo Corelli berühmt gemachte „La Follia“-Tanz, der nun mehr als ein Jahrhundert später auch seinen Landsmann Antonio Salieri zu einem Variationsreigen inspirierte. „26 Variazioni sullʼaria ‚La Follia di Spagna‘“ taufte der Beethoven-Lehrer 1815 sein Opus, das er erstaunlicherweise wohl für eine Aufführung von Georg Friedrich Händels „Alexanderfest“ 1815 im Wiener Burgtheater geschrieben haben soll. Natürlich sind die barocken Wurzeln der „Follia“, bei der Harfe und Violine solistisch auftreten, allgegenwärtig. Aber Salieri unterzieht sie effektvoll verblüffenden Neubelichtungen, bei denen sein zweiter großer Eleve Schubert genauso einen Mini-Auftritt hat wie Luigi Boccherini. Und wenn man es nicht besser wüsste, würde man zwischendurch hinter dem großorchestralen, romantisch kalorienhaltigen Akkord-Wumms eine wiederentdeckte „Follia“-Variation von Rachmaninow vermuten.
Auch mit Vol. 3 von „Beethovens Welt“ sorgt Goebel also wieder für musikalische Überraschungen abseits der aktuell ja noch einmal verbreiterten Beethoven-Pfade. Und auch diesmal ging es bei der Programmkonzeption nicht verbissen darum, unmittelbare Beethoven-Bezüge herzustellen. Weshalb nun selbst eine prächtige Sinfonie in D-Dur des Böhmen Jan Václav Voříšek zu hören ist, der zwar Zeitgenosse von Beethoven war. Doch unüberhörbar schlägt und pulsiert in dieser viersätzigen Sinfonie von 1825 postum Mozarts Herz! Der Bogen vom Hummel-Schüler Voříšek hin zu dem mit dem Jubilar befreundeten Johann Nepomuk Hummel schlagen Goebel und das mit reichlich Furor und Esprit gesegnete WDR Sinfonieorchester schließlich mit einem Konzert für Violine und Klavier. Und auch in den mit Geigerin Mirijam Contzen und Pianist Herbert Schuch prominent besetzten Solo-Parts herrscht hier und da feinster und erlesener Mozartischer Geist der Klassik. Kein Wunder. Immerhin war Hummel bereits als Steppke beim Salzburger in die Lehre gegangen.

Guido Fischer, 18.07.2020



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