home

N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Responsive image

musiK

Gilad Atzmon

Enja/Soulfood TIP 888848
(50 Min.) 1 CD

Gilad Atzmon ist der wahrscheinlich widersprüchlichste und provokanteste Jazzmusiker unserer Tage. Die unverhohlene und zum Teil ins bewusst Geschmacklose abgleitende Parteinahme des in London lebenden Exil-Israelis für Palästina löst regelmäßig heftigen Widerspruch aus (nachzulesen auch im RONDO-Leserbrief-Forum). Dem politischen Überbau, den der Saxofonist seinen Kompositionen aufpfropft, steht allerdings eine Musik gegenüber, die keiner Diskussionen bedarf. Weil sie in ihrer Unberechenbarkeit ziemlich großartig ist.
So auch hier. Atzmons "musiK" entpuppt sich als Überraschungspaket, das unter anderem einen larmoyanten Bolero beinhaltet, hysterische Zirkusmucke, Kaffeehausstreicher-Blues, eine balkanisierte Version von "Lili Marleen", Coltrane'schen Furor, ein böses Liebesgedicht, klezmerisierten Tango Nuevo sowie jede Menge Zitate aus Jazz- und Schlagerwesen.
"Re-arranging the 20th Century" lautet der gemeinsam mit dem britischen Rock-’n’-Roll-Querkopf Robert Wyatt erarbeitete CD-Titel. Und damit wären wir auch schon mitten drin in Atzmons Höranleitung. Diese Aufnahme, lernt man in den Liner Notes, sei ein Protest gegen die kapitalistische Inanspruchnahme der Musik im 20. Jahrhundert. Inzwischen sei jeder Takt doch bloß auf seine Vermarktbarkeit reduziert, schreibt Atzmon. In welcher Weise er diesen Umstand mit seinen umtriebigen Jazzpatchworkarbeiten zu ändern gedenkt, erfährt man von dem ironischen Agitator nicht. Also: Augen zu und durch(hören).

Josef Engels, 12.02.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Für sein aktuelles Album hat der Trompeter Matthias Höfs ein Werk ausgegraben, das als das einzige ernstzunehmende romantische Trompetenkonzert des 19. Jahrhunderts gilt. Es stammt aus der Feder des deutsch-russischen Komponisten Oscar Böhme. Der 1870 bei Dresden geborene Komponist studierte in Deutschland und Ungarn und emigrierte anschließend nach Russland und nahm die russische Staatsangehörigkeit an. Trotz seiner Bemühungen um eine perfekte Integration in die russische Gesellschaft […] mehr


Abo

Top