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Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Richard Strauss

Alban Berg Ensemble Wien

Alban Berg Ensemble Wien

DG/Universal 4819187
(66 Min., 9/2019)

Das Debüt-Album des Alban Berg Ensembles Wien bei der Deutschen Grammophon passt gut in unsere unruhige Gegenwart. Die sieben Musikerinnen und Musiker widmen sich Kompositionen aus den turbulenten Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts, einer Zeit des Umbruchs zwischen Spätromantik und Moderne. Eindringlich interpretiert das Ensemble hier Bearbeitungen bekannter Werke von Gustav Mahler, Arnold Schönberg und Richard Strauss. Im Adagio aus Mahlers unvollendeter Zehnter Sinfonie, von dem britischen Komponisten Martyn Harry für Flöte, Klarinette, Streichquartett und Klavier arrangiert, verweben sich die einzelnen Stimmen auf das Feinste. Langsame Passagen und Steigerungen werden behutsam ausgekostet. Wie ein greller Strahl blitzt immer wieder der Schmerz eines imaginären Abschieds hervor, der dann in einem brutal-dissonanten Neuntonakkord gipfelt. Vier Jahre früher, nämlich 1906, schrieb Schönberg seine Kammersinfonie Nr. 1 op. 9 für 15 Soloinstrumente und ging damit bereits einen Schritt in Richtung freie Atonalität. Ausdrucksstark spielen die Musiker die Quintett-Fassung von Schönbergs Schüler Anton Webern. In der von Harry bearbeiteten „Rosenkavalier“-Suite op. 59 erhält die vorzügliche Formation Verstärkung durch die Oboistin Nora Cismondi und den Kontrabassisten Alois Posch. In dem Stück, das erst mehr als 30 Jahre nach der Uraufführung von Straussʼ Oper 1911 entstand, werden Szenen aus dem beliebten Bühnenwerk leichtfüßig miteinander verknüpft. Mit unwiderstehlichen Wiener Walzerklängen werden perlende Akzente gesetzt. Eine gelungene Aufnahme, die das Ensemble selbst in diesen Zeiten aufgrund seiner Corona-tauglichen Besetzung ohne Probleme live zum Besten geben kann.

Corina Kolbe, 18.07.2020



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