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Erich Wolfgang Korngold, Alexander von Zemlinsky, Arnold Schönberg u. a.

„Vienne 1900“ (Kammermusik)

Daishin Kashimoto, Emmanuel Pahud, Paul Meyer, Zvi Plesser, Éric Le Sage

Alpha/Note 1 ALP588
(115 Min., 7/2018) 2 CDs

Wie sich einmal Arnold Schönberg erinnerte, war ihm bei der Komposition seiner 1. Kammersinfonie alles „so leicht“ von der Hand gegangen, „dass ich sicher war, dass das Publikum diese Musik so schön finden würde, wie ich sie empfand.“ Doch Schönberg lag mit dieser Gewissheit völlig daneben, wie man längst weiß. Denn die Uraufführung dieses einsätzigen, für gerade einmal 15 Instrumente geschriebenen Opus fand 1907 im Rahmen des legendären „Watschenkonzerts“ statt. Wobei auch der anwesende Schönberg-Fan Gustav Mahler von den ungehobelten Publikumsreaktionen einfach nur schockiert war. Wer um die Jahrhundertwende also nach Wien kam, konnte was erleben. Denn ähnlich wie in Paris pulsierte hier das neue Musikleben. Obwohl es Schönberg sein sollte, der mit seinen Schülern Anton Webern und Alban Berg die tonalen Gepflogenheiten endgültig auf links drehte, so schwingt dennoch selbst in ihren avanciertesten Werken die Tradition, das Erbe des 19. Jahrhunderts mit.
Um Wiener Meisterschüler und ihre Lehrer dreht sich denn nun auch die musikalische Promenade, zu der die fünf großartigen Musiker Daishin Kashimoto (Violine), Emmanuel Pahud (Flöte), Paul Meyer (Klarinette), Zvi Plesser (Violoncello) und Pianist Éric Le Sage durch die Donaumetropole anno 1900 einladen. Von dem 12-jährigen Wunderknaben Erich Wolfgang Korngold präsentiert man da sein Opus 1, ein verlockend schön dahinschwelgendes Klaviertrio, dem ein vom Geiste Brahmsʼ umhülltes Klarinettentrio des Korngold-Lehrers Alexander von Zemlinksy folgt. Die zweite CD gehört dann nahezu ganz der sogenannten „Zweiten Wiener Schule“ – mit Alban Bergs Klaviersonate und den „Vier Stücken für Klarinette und Klavier“ sowie der von Webern für fünf Instrumente arrangierten Kammersinfonie Schönbergs. Als besonderes Schmankerl in dieser von sehnsüchtig-schimmernden Melismen durchsetzten, herrlich pathetischen Wiener Moderne fungieren zudem zwei Lieder von Gustav Mahler, die Ronald Kornfeil für Flöte und Klavier eingerichtet hat. Und auch diese Bearbeitungen atmen einen Zauber und eine Stimmung, nach der man ebenfalls regelrecht süchtig wird.

Guido Fischer, 25.07.2020



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