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Éric Montalbetti

„Harmonieuses Dissonances“ (Kammermusik)

Christian Tetzlaff, Alexander Vorontsov, Pierre Génisson, Delphine Haidan, Les Dissonances, Solisten des Ensemble intercontemporain

Alpha/Note ALP 538
(71 Min., 10 & 11/2019, 1/2020)

Es ist nie zu spät, um von sich hören zu lassen. Wie im Fall des Franzosen Éric Montalbetti, der lange Zeit im Verborgenen komponierte. Als Montalbetti aber 2014 nach immerhin knapp 20 Jahren seinen Job als Künstlerischer Leiter des Orchesters von Radio France aufgab, begann für den 46-Jährigen ein neuer kreativer Lebensabschnitt. Seitdem ist er nicht nur in der Neuen-Musik-Szene seiner Heimat ein gefragter Zeitgenosse. So wurde er 2019 von Lars Vogt eingeladen, für das „Spannungen“-Festival ein Stück für Violine und Klavier zu schreiben. Herausgekommen ist das mit „Lied des Dankes für das Leben in Freundschaft“ betitelte Duo, das von Christian Tetzlaff und Alexander Vorontsov uraufgeführt wurde und mit dem nun die Montalbetti-Porträt-CD eröffnet wird. Knapp 20 Minuten lang steht dieses höchst expressive, wild und gleißend funkelnde und dann wieder ins meloshaft Karge umschlagende Stück unter immenser Dauer- und Hochspannung. Was auch den beiden Musikern zu verdanken ist, die sich dieses „Lied“ regelrecht einverleibt haben. Ähnlich versiert gehen aber auch all die anderen Musiker mit Montalbettis stets doppelbödiger Klangsprache um, mit der sich der ehemalige Student von George Benjamin, Magnus Lindberg und Tristan Murail zwischen Tradition und Post-Avantgardistischem bewegt. Bittersüßen Zauberwesen gleichen etwa die drei Vocalisen für Frauenstimme und Klarinette, die Montalbetti in seiner „Hommage à Matisse“ auftreten lässt. Ebenfalls die Kunst der klassischen Moderne, etwa von Malewitsch sowie Robert und Sonia Delaunay, wurde zum Inspirationsquell für die drei Sätze des Klaviertrios von 1990, das Montalbetti 2015 überarbeitet hat. Und das 2019 entstandene Streichquartett „Harmonieuses Dissonances“ bestätigt einmal mehr Montalbettis packendes Gespür für den bis zum Bersten energiegeladenen Moment. Ganz leicht ist es zwar nicht, sich dieser Kammermusik zu nähern. Aber es lohnt sich.

Guido Fischer, 01.08.2020



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Kommentare

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gwitteler
Da hat sich ein Fehler eingeschlichen: "So wurde er 2019 von Lars Vogt eingeladen, für das „Spannungen“-Festival ein Stück für Geige und Violine zu schreiben." Richtig wäre "Violine und Klavier". Ich war bei der Uraufführung dabei. Das Publikum war von dem Stück sehr zu Recht begeistert.




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